Wer weiss was in meinem Unternehmen? - Wissenslandkarten zur Orientierung über das vorhandene Wissen

Wissenslandkarte
Dynamische, selbstorganisierende Wissenslandkarte in der aufgezeigt wird, wer mit wem wie häufig kommuniziert.

Wissensidentifizierung und -kommunikation in Unternehmen braucht Unterstützung. Dieses Projekt entwickelt zum einen Wissenslandkarten mit deren Hilfe Wissen identifiziert wird und zum anderen ein immaterielles Gratifikationssystem, mit dessen Hilfe Mitarbeitende unterstützt werden Wissen von anderen Unternehmensmitgliedern abzurufen und ihr eigenes Wissen zu teilen.

 

In der heutigen Informations- und Wissensgesellschaft basiert die Wertschöpfung in Unternehmen zum grossen Teil auf dem Einsatz von Wissen. Die Fähigkeit, Wissen zu identifizieren, zu erwerben bzw. selbst zu entwickeln sowie im Unternehmen und am Markt in Form von neuen Produkten und Dienstleistungen umzusetzen stellt eine Schlüsselqualifikation bzw. einen essentiellen Wettbewerbsfaktor dar. Da Wissen ein Gut ist, das nur im persönlichen Austausch zwischen Individuen übertragen werden kann, rückt im Zusammenhang mit dem Wissensmanagement der kollaborative und kommunikative Aspekt verstärkt in den Vordergrund. Ein offener Wissensaustausch und offene Kommunikation der Mittarbeitenden im Unternehmen ist in vielerlei Hinsicht gewinnbringend. Durch die Identifikation und Visualisierung von aktuellen Themen, Experten, Kommunikationsbeziehungen sowie relevanten Dokumente wird es ermöglicht vorhandene, unproduktive Wissenslücken sehr schnell zu erkennen und durch geeignete Massnahmen zu schliessen. Dies führt im Endeffekt zu einer schnelleren Platzierung von neuen Produkten auf dem Markt und dies wiederum zu einem grösseren Unternehmenserfolg.

 

Das KTI-Projekt „Coltero - Collaboration and Enterprise Knowledge Visualisation“ beschäftigt sich genau mit diesem Thema. Ziel dieses Projektes ist es in Unternehmen die vorhandenen Expertinnen und Experten zu identifizieren und durch ein entsprechendes Anreizsystem dafür zu sorgen, dass sie ihr Wissen weiter geben. Um dies zu erreichen wird im Projekt ein Social Media Enterprise Tools eingesetzt in dem Mitarbeitende der Forschungsabteilungen eines weltweit tätigen Unternehmens miteinander kommunizieren. Diese textuelle Kommunikation wird von Algorithmen mit Hilfe verschiedener Clustering-Verfahren aufgearbeitet. Wie sich gezeigt hat, die führt eine Berücksichtigung und Auswertung von expliziten Aktivitäten wie gestellte Fragen oder ausformulierte Antworten, Kommentare und Bewertungen zu detaillierten Kenntnissen über die Kernkompetenzen der Nutzer. Um den Mitarbeitenden nun aufzuzeigen wer im Unternehmen gerade an welchem Projekt oder Problem arbeitet bzw. wer welche Kompetenzen besitzt werden sogenannte Wissenskarten erzeugt. Wissenskarten stellen eine Reihe verschiedener, strukturierter (graphischer) Darstellungen des Wissens in einer Organisation bereit. Sie enthalten das Wissen aber nicht selbst, sondern verweisen lediglich auf deren Träger. Im Ergebnis ergeben sich grafische Darstellungen in denen die Mitarbeitenden, deren Kenntnisse, Fähigkeiten, Erfahrungen, Fachgebiete und weitere Kompetenzen aufgezeigt werden können. Solche Wissenskarten helfen massgeblich bei der Suche nach Mitarbeitenden für neue Projekte, ausserdem werden Lücken in der Kompetenz des Unternehmens aufgezeigt.

 

Allerdings ist ein grosses Problem die Tatsache, dass Mitarbeitende häufig ihr Wissen nicht preisgeben wollen, da sie dadurch einen Kompetenzverlust und nicht zuletzt sogar den Verlust ihres Arbeitsplatzes befürchten. Wissensmanagementsysteme können nur sinnvoll betrieben, eingesetzt und genutzt werden, wenn alle Beteiligten freiwillig ihr Wissen zur Verfügung stellen. Darum müssen die Mitarbeitenden dazu angeregt bzw. deren Motivation gefördert werden ihr Wissen zu teilen. Dieses Motivieren geschieht durch die Entwicklung und Einbettung eines immateriellen Gratifikationssystems. Die Aufgabe eines solchen Gratifikationssystems im Wissensmanagement ist die Gewährleistung eines strukturierten und kontinuierlichen Wissenstransfers. Dort liegt nun auch die Schwierigkeit in der Ausgestaltung passender Anreizsysteme. Die Motivation zur aktiven Teilnahme am Wissensmanagement basiert zum einen auf dem praktischen Nutzen für die eigene Arbeit und zum anderen auf verschiedenen Anreizen. Je unmittelbarer und spürbarer die Mitarbeitenden erfahren, dass Massnahmen bzw. Methoden des Wissensmanagements ihnen die tägliche Arbeit erleichtern, desto eher werden sie bereit sein, zur Umsetzung des Wissensmanagements aktiv beizutragen. Die Mitarbeitenden werden feststellen, dass ein effektiver und effizienter Wissensaustausch auf dem Prinzip der Gegenseitigkeit beruht und nur funktioniert, wenn jeder bereit ist, sein Wissen weiterzugeben. Hierzu wird in diesem KTI-Projekt ein sozio-technologisches System entwickelt, mit dessen Hilfe das Leistungsverhalten einer Person erhöht werden kann. Um dies zu erreichen, gibt es zwei Möglichkeiten, zum einen kann durch ein Anreizsystem die Motivation eines Mitarbeiters erhöht werden und zum anderen können die individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten durch eine Kompetenzerweiterung des Teilnehmers verbessert werden. Beides soll in diesem Projekt erreicht werden. Dass ein solcher Wissensaustausch im privaten Bereich funktioniert, ist seit langem bekannt. Beispiele hierfür sind sogenannte Newsgroups, Foren oder soziale Netzwerke wie Facebook. Hier tauschen Personen freiwillig ihr Wissen aus und helfen sich gegenseitig. Die Idee ist es nun, diese Effekte zu nutzen und sie auf den Unternehmenskontext zu übertragen.

 

In diesem Projekt werden zwei Software-Module (dynamische interaktive Wissenslandkarten und immaterielles Gratifikationssystem) entwickelt die über vorhandene Schnittstellen an Kollaborationsplattformen wie Atlassian Confluence angebunden werden können. Dabei geht es darum Algorithmen aus dem Bereich „Business Intelligence“ so weiterzuentwickeln, dass sie „Wissen“, „Personen“ und „Zusammenhänge“ identifizieren können. Eine weitere Aufgabe ist es geeignete Visualisierungsformen zu entwickeln, mit deren Hilfe die unterschiedlichen Wissenslandkarten effizient visualisiert werden können. Dabei werden ebenso semantische Verfahren sowie Big-Data-Methoden Verwendung finden.

Kontakt

Semar Wolfgang, Prof., Dr. habil.

Tel. +41 (0)81 286 24 13
Fax +41 (0)81 286 24 00
wolfgang.semar@htwchur.ch
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