Tief.Bau.Tex.1

Drainage Muelldeponie
Drainage in einer Mülldeponie, Italien

Definition der Geotextilen

Geotextilien sind die am meisten verbreiteten Geokunststoffe. Als Textilien  bestehen sie aus Fasern. Geokunststoffe wiederum zeichnen sich dadurch aus, dass sie in Kontakt mit der Erde sind.

Geotextilien oder Geokunststoffe werden an sehr vielen Orten eingebaut, doch meistens werden die Geotextilien nicht wahrgenommen. Sie sind beispielsweise unter einer Strasse. Wenn man aber eine steile begrünte Fläche sieht, könnte man davon ausgehen, dass darunter ein Geotextil liegt. In einer Überschlagsrechnung hat Imad Lifa einmal bestimmt, dass pro Kopf in der Schweiz drei Quadratmeter Geotextilien verbaut wurden. Das ist rund dreimal mehr als in Italien, was mit der Topografie hierzulande zusammenhängt und die vielen Befestigungen nötig macht.

Trotz des häufigen Einsatzes ist die Branche auf Seiten der Hersteller klein. Diese haben zudem kein Interesse daran, die Anwender – meistens Bauingenieure – über Alternativen zu ihren eigenen Produkten aufzuklären. Ein Nachholbedarf seitens der Anwender ist nach dieser Konferenz mit vielen positiven Rückmeldungen der Anwender erkennbar. Diese waren dankbar für die Möglichkeit, sich auszutauschen. Selbstverständlich waren aber auch Anbieter an der Tagung und lieferten wertvolle Inputs. Die Teilnehmer an der ersten Tief.Bau.Tex1 waren sich einig, dass es mehr Mut für neue Anwendungen braucht.

 

Ein Vortrag widmete sich beispielsweise dem Einsatz von Lawinen- und Steinschlagschutzbauten. Der Referent zeigte auf, dass durch Geotextilien Dämme steiler gebaut werden können und die Anwender weniger Material benötigen. Oder ein anderer Beitrag handelte davon, wie Geotextilien als Lärmschutz eingesetzt werden können.


Risiken durch Geokunststoffe
Das war kein Thema an der Tief.Bau.Tex1, weil in Geotextilien bekannte Kunststoffe wie Polyethylen oder Polypropylen eingesetzt werden. Sollten diese aber potenziell zusätzliche schädliche Substanzen enthalten und abgeben, wäre das wahrscheinlich kein Problem, da sich diese so stark  ausdünnen, dass keine Gefahr mehr für die Umwelt besteht. Da ist die Gefahr beim Trinken aus einer PET-Flasche wesentlich höher.
Da Geokunststoffe noch nicht so lange eingesetzt werden und auf längere Zeiträume (bis zu 200 Jahren) ausgelegt sind, geht von diesen Kunststoffen keine Gefahr aus. Ihre Mengen sind im Vergleich zum Plastikmüll im Meer sehr gering.
Die Fachtagung war ein erster Schritt, um das Wissen bezüglich Geotextilien zu verbessern. Neben häufigeren Tagungen, die für den Austausch sehr wichtig sind, sollten Geotextilien auch in der Ausbildung der Bauingenieure thematisiert werden. In Chur haben wir dazu einen ersten Schritt getan. Da aber bereits ein grosses Defizit in der Branche vorhanden ist, müssen auch Weiterbildungsangebote entwickelt werden. Diese sollten die Anwender von Geotextilien befähigen, sinnvolle Vergleiche zwischen den Produkten auf dem Markt anzustellen. Helfen könnte ihnen dabei auch eine themenspezifische Internetplattform, wo Erfahrungen austauscht werden könnten. Zudem ist auch unabhängige Forschung nötig, um die Situation zu verbessern.

Interview mit dem Organisator Imad Lifa: Mehr Mut für neue Anwendungen

Organisation

Lifa Imad, Prof. Dr. Ing. TU/SIA, MBA
Tel. +41 81 286 24 83
Fax +41 81 286 24 00
imad.lifa@htwchur.ch
Einzelansicht