Tief.Bau.Tex.2

Tief Bau Tex Stuetzbauwerk
Stützbauwerk aus bewerhrter Erde Coredo/Italien

TAGUNG 2013

Interview mit dem Organisator Imad Lifa: Lieber weglassen als schlecht ausführen

 

 

Bei Asphaltarmierungen, Bewehrungen oder Begrünungen überall werden Geokunststoffe eingesetzt. Damit diese aber auch die gewünschte Wirkung erzielen, ist die richtige Installation von entscheidender Bedeutung. Das war ein wichtiges Fazit der diesjährigen Tief.Bau.Tex2, die in Chur stattfand.

 

Belagschäden lassen es immer wieder offenkundig werden: Die Asphaltierung, insbesondere auch von Strassen in anspruchsvoller Umgebung wie in den Bergen, ist nicht trivial. Um mehr Dauerhaftigkeit zu erzielen, werden zunehmend auch hier Geotextilien eingesetzt. Doch ist das die Lösung des Problems? Dieser Frage widmeten sich vertieft die Tief.Bau.Tex, eine Fachtagung zu Geotextilien im Tiefbau, in diesem Frühjahr in Chur. Imad Lifa, Leiter des Instituts für Bauen im alpinen Raum  der Hochschule für Technik und Wirtschaft Chur, wies darauf hin, dass trotz der kurzen Geschichte bereits eine europäische und schweizerische Norm für die Asphaltbewehrung mit Geokunststoffen besteht. Er erläuterte aber auch, dass manche Geotextilien aus bestimmten Kunststoffen den Nachteil haben, das Fräsgut zu beinträchtigen. Zudem solle man Geotextilien lieber weglassen, als sie schlecht auszuführen. Dass der Einbau ein Erfolgsfaktor sei, meinte auch Lorenz Kunz (SYTEC Bausysteme AG). Seine Firma setzt dabei auf Glasfasergitter wegen deren Rissfestigkeit und weil sich mit dieser Form der Asphaltarmierung Totalsanierungen vermeiden lassen.  Ein weiterer Vorteil gegenüber unbewehrtem Asphalt ist gemäss Jochen Bromen (Tensar International GmbH) die Verlängerung der Instandsetzungsintervalle und Nutzungsdauer der Strasse sowie die Verringerung des Erhaltungsaufwandes.

 

Schlagfest durch Flexibilität

Schon fast ein Klassiker sind Geokunststoffe bei Bewehrungen. Christian Psiorz (BBG Bauberatung Geokunststoffe GmbH & Co. KG)  demonstrierte unter anderem, wie sich Geotextilien für Schutzdämme eignen. Aufgrund ihrer Elastizität können sie einen Grossteil der Aufschlagenergie absorbieren. Damit aber die eingebauten Kunststoffnetze auch funktionieren, müssen sie nicht nur beim Asphalt, sondern auch in Bewehrungen richtig eingebaut werden. Wie dabei Schäden entstehen können, untersuchte Hartmut Hangen (Huesker Synthetic GmbH) sowohl in Labor wie auch in Feldversuchen. Die Beschädigung war dabei stark abhängig vom Rohstoff des Produktes.

 

Ein spezieller Rohstoff ist Betonit. Dieser eignet sich aber weniger für Schutzdämme, sondern vielmehr für Wasserkanäle oder Bauten, bei denen permanent Feuchtigkeit vorhanden ist. Denn Betonit hat die Eigenschaft, in Feuchtigkeit zu quellen und abzudichten, wie Edi Wehrli (Schoellkopf AG) erläuterte. Bleibt Betonit in richtiger Umgebung lange erhalten, gibt es auch kurzlebige, abbaubare Geotextilien. Sie werden bei Begrünungen eingesetzt. Dabei können Böschungen gemäss Franz Brunner (Begrünungen Hunn) Hänge mit einer Steilheit von bis zu 60° bepflanzt werden. Ein Grossprojekt, das er anführte, war die Begrünung des Neat-Aushubes. Dass Geotextilien auch bei der Drainage von  Bahntrassees, wie auch bei Gründächern oder Deponiebau eingesetzt werden, erzählte Michael Hering (Bonar). Ebenfalls ein Bahnprojekt erwähnt nochmals Lorenz Kunz. So konnten die Bahndämme der TGV-Hochgeschwindigkeitsstrecke Bern – Neuenburg dank Geotextilien mit einem kleinen Fuss errichtet werden.

 

Normen und Nachhaltigkeit

Bei der Breite des Einsatzes ist es kaum verwunderlich, dass auch ein Regelwerk für Geotextilien existiert. Dieses stellte Balazs Fonyo (Schweizerischen Verband der Strassen- und Verkehrsfachleute) vor.  Er führte aus, dass es 71 Normen zu Geokunstoffen gibt. Als wichtigste Normen gelten  dabei  die SN Grundnorm „Geokunststoffe“, die Normen zu „Trennen, Filtern und Drainieren“, „Bewehren“, „Schützen“ sowie die EN zum „Bau von Strassen und sonstigen Verkehrsflächen und weiteren Bauten“. Bei der Analyse der SIA-Normen stellten Imad Lifa und Lukas Frick (HTW Chur) fest, dass diese zu eher konservativen Ergebnissen führten, wenn man sie in der Software GGU-STABILITY für  Böschungsbruchuntersuchung verwendet. Doch nicht nur die Normen, sondern auch eine korrekte Ausschreibung und Bemessung müssen bei Geokunststoffen beachtet werden. Sebastian Althoff (Schoellkopf AG) erläuterte, wie dies bei einem Projekt zur Bewehrung zu erfolgen hat.

 

Weg vom „Papierkrieg“  wieder zurück zu den Geotextilien führte ein weiterer Vortrag  von Hartmut Hangen. Er sagte, dass  die Nähte  von Geotextilien, die  für die Einkapselung oder Entsorgung von Schlämmen eingesetzt werden, eine Nahtfestigkeit bis ca. 60 kN/m aufweisen müssen. Ebenfalls grossen Belastungen ist die Bewehrung der Strassen einer Windfarm in Montana ausgesetzt, wie Lars Vollmert (BBG Bauberatung Geokunststoffe GmbH & Co).  demonstrierte. Dass Geotextilien keine Wegwerfprodukte, sondern nachhaltige Lösungen darstellen, kam nochmals am Schluss der Tagung zu Sprache. Thomas Wildberger  (Lindner Suisse) und Imad Lifa zeigten, dass je nach Situation auch Geotextilien aus Naturstoffen wie beispielsweise Holzwolle sinnvolle und sparsame Lösungen darstellen können. Doch auch hier gilt: Der erfolgreiche, nachhaltige Einsatz bedingt eine korrekte Installation.

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Lifa Imad, Prof. Dr. Ing. TU/SIA, MBA
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