Tourismus Fachbereich

Tourismus

Tourismus ist eine vielschichtige, internationale Wachstumsbranche. Der Fachbereich mit dem Institut für Tourismus und Freizeit ist ein innovatives, unternehmerisches und praxisorientiertes Bildungs-, Forschungs- und Dienstleistungszentrum mit Bachelor- und Master-Studiengängen. Erfahrene Dozierende und Expertinnen und Experten befassen sich mit Destinations- und Hospitalitymanagement, Gästeverhalten und Nachhaltigkeit.weiter
Fachbereich Management

Management

Wirtschaft und Verwaltung stellen hohe Anforderungen an Führungskräfte. Verlangt werden fundierte fachliche und methodische Kenntnisse sowie hohe Sozialkompetenz. Führungskräfte müssen in der Lage sein, zur Erneuerung und Entwicklung von Organisationen beizutragen. Es genügt nicht, Bestehendes zu verwalten und zu bewahren. Gefragt sind unternehmerisches Denken und Handeln. weiter
Fachbereich Informationswissenschaft 01

Digital Science

Mit einem Studium in Information and Digital Science erlangen Studierende die erforderlichen Kompetenzen für den Umgang mit Fragestellungen der digitalen Welt und unsere heutigen Informationsgesellschaft. Auf die Absolventinnen und Absolventen wartet eine breite Spanne an interessanten Berufsbildern. weiter

Technik

Unseren hohen Lebensstandard verdanken wir nicht zuletzt den Ingenieurinnen und Ingenieuren. Einige Beispiele verdeutlichen dies: statt zu Fuss können wir uns mit Eisenbahn, Auto oder Flugzeug fortbewegen, und dank des Mobiltelefons können wir an jedem Ort telefonieren. Damit wir aber weiterhin den technischen Fortschritt mitgestalten können, brauchen wir Ingenieurinnen und Ingenieure. weiter
Ingenieurbau-Architektur

Ingenieurbau/Architektur

Aufgrund der geographischen Lage der HTW Chur inmitten der Alpen und den spezifischen Fragestellungen, mit welchen ein Bergkanton wie Graubünden konfrontiert ist, fokussiert das Institut für Bauen im alpinen Raum IBAR mit seinem Studiengang Ingenieurbau/Architektur, seine praxisorientierten Projekte und Zielsetzungen auf den Alpenraum. weiter
Fachbereich Medien

Multimedia Production

Studierende erlangen technische Kompetenz für ein multimediales Umfeld, genauso wie Sprachkompetenz und die Fähigkeit Inhalte zu visualisieren. Teil der Ausbildung ist das Produzieren von Inhalten unter realistischen Bedingungen in einem eigens konzipierten Produktionsraum für Medienobjekte, getreu dem Churer Studienmodell «Studieren und Produzieren». weiter

Zukunftschance Nachhaltigkeit: Herausforderung Energiewende im Lebensraum Graubünden

Sylvia Manchen Spörri, Jörg Watter, Werner Hediger

Der 5. Statusbericht  des UNO Expertengremiums IPCC - veröffentlicht im September 2013 - hält unmissverständlich fest, dass sich die Erde weiterhin stetig erwärmt und dass mit 95% Wahrscheinlichkeit der Mensch dafür verantwortlich ist. Der Klimabericht des Kantons Graubünden 2012 hält fest, dass der Klimawandel  mit ansteigenden Temperaturen in allen Jahreszeiten und veränderten  Niederschlägen auch in Graubünden stattfindet.


Im Mai 2011 hat der Bundesrat den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie und die Energiewende beschlossen. Was bedeuten diese Herausforderungen für den Lebensraum Graubünden? Welche Einflussmöglichkeiten bestehen für die Bewohnerinnen und Bewohner aber auch für Touristinnen und Touristen? Welchen Beitrag kann die HTW Chur leisten?

 

Die Energiestrategie des Bundes und des Kantons Graubünden

In der Energiestrategie 2050 hat der Bundesrat geplant, dass bestehende Kernkraftwerke am Ende ihrer sicherheitstechnischen Betriebsdauer stillgelegt und nicht wieder ersetzt werden. Die heutigen Klimaziele werden weiterverfolgt, und der nachhaltige Umgang mit natürlichen Ressourcen soll verbessert werden. Die Energie- und Klimaziele will der Bundesrat in zwei Etappen erreichen (Baur & Himmel 2012): In einer ersten Etappe sollen mit der verstärkten Förderung von Gebäudesanierungen und der erneuerbaren Stromproduktion bestehende Effizienzpotenziale ausgenützt werden. Mit dem vom Bundesrat am 28. September 2012 verabschiedeten Massnahmenpaket zur Energiestrategie 2050, welches neben regulatorischen Instrumenten (Gebote, Verbote, Normen) vor allem die erwähnten Fördermassnahmen enthält, lassen sich jedoch nur rund die Hälfte der Energieziele erreichen. In einer zweiten Etappe soll ab 2021 die «Förderwelt» von einer «Lenkungswelt» abgelöst werden. Preisliche Lenkungsmassnahmen sollen schrittweise die Subventionen ersetzen. Zeitlich fällt die zweite Etappe der Energiestrategie zusammen mit der Neuausrichtung der Klimaschutzpolitik. Das bestehende CO2-Gesetz enthält Ziele bis zum Jahr 2020. Für die Zeit danach müssen die Ziele neu konzipiert werden.


Der Kanton Graubünden definiert die qualitativen Anforderungen an die Bündner Energiepolitik in einem Energiegesetz (BEG), aus dem sich ähnliche Anforderungen wie die des Bundes an künftige Förderprogramme und Massnahmen ableiten z.B. eine „effiziente und nachhaltige Energienutzung (Art. 2), wirtschaftliche und umweltschonende Energieversorgung (Art. 2), Substitution von fossilen Energieträgern (Art. 2), verstärkte Nutzung einheimischer und erneuerbarer Energien (Art. 2), Beitrag an langfristige Reduktions- und Substitutionsziele einer „2000-Watt-Gesellschaft“ im Bestreben, den CO2-Ausstoss auf eine Tonne pro Einwohner und Jahr zu senken (Art. 3)“ (Energiemonitoring Graubünden 2012, S. 3).


Diese Ziele sollen u.a. durch eine Steigerung der Energieeffizienz erreicht werden, d.h. zum Beispiel durch Einsparung von Energie beim Bau, Betrieb und Beheizen von öffentlichen und privaten Gebäuden sowie durch die vermehrte Produktion und Nutzung von erneuerbaren Energien in Form von Grosswasserkraftwerken, aber auch von Kleinwasserkraftwerken sowie durch weitere neue erneuerbare Energien (Energiemonitoring Graubünden 2012, S. 5,). Die Zielerreichung wird u.a. durch nationale und kantonale Massnahmen wie Förderprogramme bei Gebäudesanierung, bei vorbildhaften Neubauten als auch von haustechnischen, energieproduzierenden Anlagen und durch die Beteiligung des Kantons an Werken zur Produktion von erneuerbaren Energien unterstützt. Ein regelmässiges Energiemonitoring gibt Aufschluss über die Zielerreichung und nötige Korrekturmassnahmen.

Die Energiewende braucht eine Nachhaltigkeitsstrategie!

Der obengenannte Lösungsansatz der „2000-Watt-Gesellschaft“ verfolgt gemäss der Wissenstransferorganisation Novatlantis der ETH`s zum Thema Nachhaltigkeit die Idee, dass der Energieverbrauch bis ins Jahr 2100 stetig abgesenkt wird und so die Erderwärmung auf ein Mass von zwei Grad limitiert werden kann. Wer aber die aktuellen Energiestatistiken 2012 der Schweiz und des Kantons Graubündens studiert, wird feststellen, dass trotz aller Anstrengungen kein Rückgang des absoluten Energieverbrauchs erkennbar ist. Bevölkerungswachstum, steigender Konsum und erhöhte Mobilität führen zu einem Mehrverbrauch an Energie und was mit verbesserter Wärmedämmung der Gebäudehüllen eingespart wird, geht durch den Mehrverbrauch an Wohnfläche wieder verloren. Dieser Rebound-Effekt wie er auch genannt wird, führt dazu, dass Effizienzmassnahmen selten zu einer echten Einsparung an Energie führen: Autos verbrauchen weniger Treibstoff aber wir fahren mehr Kilometer, Konsumgüter werden effizienter und kostengünstiger produziert und der daraus resultierende Mehrkonsum führt in der Gesamtbilanz zu einem höheren Energieverbrauch.

 

 

 

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Abbildung 1: Entwicklung zur 2000-Watt-Gesellschaft (Grafik www.novatlantis.ch)

Um die Energiewende in der Schweiz und in Gaubünden erfolgreich voranzutreiben, braucht es ein ganzheitliches und systemisches Verständnis vom Zusammenspiel der verschiedenen Faktoren. Sie muss deshalb in eine Nachhaltigkeitsstrategie eingebettet werden.
Die von den Vereinten Nationen eingesetzte Brundtland-Kommission hielt bereits 1987 im Bericht „Unsere gemeinsame Zukunft“ ein erstes, dynamisches  Verständnis von Nachhaltigkeit fest.  Nachhaltigkeit beschreibt nicht einen fixen Zustand, sondern die minimalen Grenzen eines Prozesses (nachhaltige Entwicklung), in welchem die Nutzung von Ressourcen, die Ausrichtung von Investitionen, Innovationen und technischen Fortschritt sowie der institutionelle und gesellschaftliche Wandel miteinander im Einklang stehen und dem Ziel dienen, die Bedürfnisse und Wünsche gegenwärtiger wie zukünftiger Generationen zu befriedigen. Dieser Ansatz wurde u.a. 1992 an der Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung (UNCED) im Juni 1992 in Rio de Janeiro ausgebaut zu einem Drei-Säulen-Modell der Nachhaltigkeit, welches versucht ökologische, ökonomische und soziale Entwicklungsziele in Einklang zu bringen. Darauf folgten zahlreiche konzeptuelle und politische Auseinandersetzungen, die versuchen ein unverbundenes Nebeneinanderstehen der Säulen zu überwinden und ökologisches Aspekte systematisch zu integrieren sowie die Wichtigkeit der Partizipation der Beteiligten für die tatsächliche Umsetzung betonen (Spindler, 2014).


Forschende der HTW Chur entwickelten u.a. für den Tourismus den folgenden transdisziplinären Ansatz, der sowohl in der Ausbildung zum nachhaltigen Tourismus als auch in Forschung und Beratung verwendet wird (Luthe, 2013).

 

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Abbildung 2: Transdisziplinärer Ansatz für Nachhaltigkeit im Tourismus (Luthe, 2013)

Neu an diesem Modell ist, dass die ökologische Dimension nicht eine vereinzelte Säule sondern die Basis bildet. Kulturelle Werte bestimmen mit, was in einer Gesellschaft als soziales und ökonomisches Ziel und Wohlbefinden definiert wird. Technologische Entwicklungen können als Unterstützung und Option dazu beitragen diese Ziele zu erreichen. Kommunikation mit und Partizipation der Beteiligten ermöglichen die zentralen Probleme gemeinsam zu erkennen, zu definieren und Lösungsansätze zu entwickeln. So bilden Interdisziplinarität, Partizipation und kulturelle Werte das Kernstück einer transdisziplinären Herangehensweise an Nachhaltigkeit.

Auch in der aktuellen Politik in Graubünden wurde die zentrale Bedeutung der Nachhaltigkeit erkannt. Nach Regierungsrat Cavigelli müsse es gelingen, den Lebensstil wieder „dem Potenzial von Natur und Umwelt“ anzupassen. Heute würden wir die Natur „zu intensiv, zu wenig nachhaltig“ nutzen (Südostschweiz, 2013).

 

Herausforderungen für den Kanton Gaubünden

 

Energieverbrauch im Kanton Graubünden

 

Der seit 2013 vorliegende Bericht "Energiemonitoring Graubünden 2012" zeigt eine erste, detaillierte Entwicklung des Energieverbrauchs basierend auf den Daten der Jahre 2011 und 2012. Daraus lassen sich bereits heute wichtige Erkenntnisse ableiten. Wie die Abbildung 3 zeigt, ist der spezifische Energieverbrauch in Graubünden, im Vergleich zur Schweiz, sichtlich höher. Dabei wurde berücksichtigt, dass Graubünden als Tourismuskanton viele Übernachtungen (exkl. Zweitwohnungen) generiert und deshalb die ständige Wohnbevölkerung für  Vergleiche um diesen Anteil erhöht. Der Verbrauch der touristisch genutzten Anlagen ist im Sektor Haushalte eingerechnet.

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Abbildung 3: Stromverbrauch pro EinwohnerIn (Energiemonitoring Graubünden 2012, S. 9)

Laut dem Energiemonitoring können die Gründe für den deutlich höheren Stromverbrauch in Graubünden noch nicht abschliessend beurteilt werden. Dieser hat zum einen sicherlich topografische und klimatische Gründe (zum Teil hochalpine Lagen wie das Oberengadin). Daneben könnten auch die energieintensiven Tourismusbetriebe (Bergbahnen, Schneeanlagen etc.) sowie Hotels und Zweitwohnungen einen spürbaren Einfluss haben. Eine weitere mögliche Erklärung dürften die überproportional vorhandenen Elektroheizungen liefern (Energiemonitoring Graubünden 2012, S. 6). Auch der CO2-Ausstoss fällt pro EinwohnerIn deutlich höher als in der übrigen Schweiz. Hier sind ebenso die topografische Lage, der Tourismus, der tiefere Grad der Gasversorgung sowie die in Graubünden ansässige Zementindustrie mögliche Verursacher (Energiemonitoring Graubünden 2012, S. 6). Positive Entwicklungen lassen sich hinsichtlich der Nutzung der Förderprogramme als auch bezüglich der Beschäftigungswirkung beobachten, wobei der überwiegende Anteil Teil der generierten Aufträge durch das regionale Gewerbe umgesetzt wird (ebenda, S. 6).

 

 

Energieproduktion - zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Wasserkraft im Kanton Graubünden

 

 

Die Wasserkraftnutzung ist für die Schweiz wie für den Kanton Graubünden von grosser energie-und volkswirtschaftlicher Bedeutung und trägt zur Umsetzung der Energiewende bei. Die Wasserkraft ist mit einem Anteil von zirka 55% an der gesamtschweizerischen Elektrizitätserzeugung die bedeutendste einheimische Energiequelle, auch wenn dieser Anteil seit 1970 beträchtlich abgenommen hat. Dies liegt vor allem im Auf- und Ausbau der Kernkernkraftwerke begründet, welche fast zu einer Verdoppelung (plus 90%) der gesamten Elektrizitätserzeugung seit 1970 beigetragen haben, während die Produktion der Wasserkraftwerke im gleichen Zeitraum lediglich um 20% gestiegen ist.

 

Mit einer durchschnittlichen zu erwartenden Produktion von knapp 8‘000 GWh pro Jahr trägt der Kanton Graubünden rund ein Fünftel zur gesamtschweizerischen Elektrizitätserzeugung aus Wasserkraft bei (vgl. http://www.gr.ch/DE/kanton/ueberblick/Seiten/Energie.aspx). Gemessen an der gesamten schweizerischen Stromproduktion beträgt der Anteil der Bündner Wasserkraftwerke rund 10%. Der besondere Wert dieser Energie lag bisher vor allem in den Vorzügen der Speicherseen, die es erlauben, das Wasser so lange zu lagern, bis besonders viel Strom benötigt wird (Spitzenlast im Winter und zu besonderen Tageszeiten). Dies ermöglichte es bisher, hochwertige Spitzenenergie zu erzeugen. Dieser komparative Vorteil der Pumpspeicherung in den Alpen wird jedoch durch die aktuellen, teilweise durch Subventionen getriebenen Entwicklungen auf dem europäischen Wind- und Photovoltaikmarkt in Frage gestellt. Wie kürzlich veröffentlichte Studien des Bundesamtes für Energie verdeutlichen, sind Energiespeicherwerke kurzfristig stark mit Risiko behaftet. Längerfristig (ab 2020) wird aber wieder mit einer verbesserten Wirtschaftlichkeit gerechnet (http://www.bfe.admin.ch/energie).

 

Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Wasserkraftwerke im Kanton Graubünden liegt weniger in der direkten Wertschöpfung (gemäss BAK Basel Economics ca. 4% Anteil am kantonalen Bruttoinlandprodukt BIP) und Beschäftigung (rund 540 Personen). Gewichtiger sind die Bedeutung für den Finanzhaushalt von Kanton und Gemeinden sowie die indirekten Effekte durch die wirtschaftliche Verflechtung im Kanton (http://www.gr.ch/DE/kanton/ueberblick/Seiten/Energie.aspx):

 

Die Kraftwerke leisten ein Drittel der Steuern der juristischen Personen in Graubünden. Werden alle Steuern, Abgaben und Zinsen zusammengerechnet, bezahlen die Kraftwerke jährlich rund 153 Millionen Franken. Diese Leistungen sind für den Finanzhaushalt des Kantons und zahlreicher Gemeinden von wesentlicher Bedeutung.

 

Ausserdem wurden beim Bau der Kraftwerke in vielen Tälern Strassen und andere Infrastruktur-Bauten erstellt oder verbessert, die nicht nur den Kraftwerken dienen.  Zudem ist Elektrizität ein wichtiges Exportgut für den Kanton Graubünden. Bei einem innerkantonalen Jahresverbrauch von zirka 2‘000 GWh exportiert Graubünden rund Dreiviertel des im Kanton erzeugten Stroms, was zu einer Steigerung der regionalen Bruttowertschöpfung und somit zu zusätzlichem Einkommen im Kanton führt (http://www.gr.ch/DE/INSTITUTIONEN).

 

Themenschwerpunkt Lebensraum

Lebensräume wie die Region Graubünden sind geprägt durch ihre unterschiedlichen Nutzungsformen. In alpinen Räumen sind Tourismus, Bau und Energie wirtschaftlich, kulturell und landschaftlich prägend. Im Jahr 2008 betrug die Zahl der Beschäftigten im Kanton Graubünden 102‘975 Personen, in der Energie- und Wasserversorgung (insgesamt) waren 1‘264 Personen, im Baugewerbe 13‘344, im Tourismus (Beherbergungs- und Gaststättengewerbe) 14‘418 und in der Land- und Forstwirtschaft 7‘811 (Durchblick 2013). Durch die wirtschaftliche Bedeutsamkeit der Branchen Tourismus, Bau und Energie ist der Lebensraum Graubünden von der Energiewende besonders stark betroffen, da diese eng mit Fragen der Energienutzung und –produktion verbunden sind. Die Siedlungsstrukturen im alpinen Lebensraum haben sich durch die naturgegebenen Talschaften dezentral entwickelt und schaffen verschieden stark vernetzte Lebens-, Arbeits- und Freizeiträume. Die Region ist dadurch kleinstädtisch-ländlich geprägt und befindet sich gleichzeitig  im Wandel zu einer spezifischen Urbanität aber auch damit verbundenen Mobilität. Durch die starke Vernetzung von Lebens-, Arbeits- und Freizeiträumen können Lösungen für die Energiewende nur mit einem ganzheitlichen, systemischen Verständnis erzielt werden.

 

Durch eine Kombination der Disziplinen Tourismus, Architektur und Bauingenieurwesen sowie  Volkswirtschaft werden dezentrale und alpine Räume im Departement und Themenschwerpunkt Lebensraum der HTW Chur zielgerichtet weiterentwickelt. In den Forschungsschwerpunkten Regionalentwicklung, Tourismusentwicklung und Infrastrukturentwicklung mit der Nachhaltigkeit als strategische Initiative über die ganze HTW Chur werden Fragen zur Energiewende interdisziplinär aufgegriffen.

 

 

Forschungsschwerpunkt Regionalentwicklung - Wie ist die Energiewirtschaft im Kanton GR von der Energiewende selber betroffen?

Das heutige Energiesystem steht vor einem bedeutenden Umbau, welchen es sorgfältig zu analysieren und planen gilt. Veränderungen im europäischen Energiemarkt werden sich auf die lokale Energiewirtschaft auswirken und neue Lenkungsmassnahmen erfordern. Welche wirtschaftlichen Zusammenhänge zwischen Energiewirtschaft, Regionalwirtschaft und den einzelnen Branchen wie Tourismus und Bau gibt es? Mit Blick auf einen möglichen Ausbau der Wasserkraftnutzung, Solar- und Windenergie stellen sich Fragen zum Umgang mit Nutzungskonflikten und Synergien in der Land- und Wassernutzung, welche zwischen Energiewirtschaft und Tourismus resultieren. Dies zeigt sich z.B. an der kontroversen Debatte zwischen Tourismus, Naturschutz und Produktion mit erneuerbaren Energien um einen geplanten Windpark in der Surselva (http://www.stadt-zuerich.ch).

 

 

Forschungsschwerpunkt Tourismusentwicklung - Wie ist der Tourismus von der Energiewende betroffen?

Für den alpinen Tourismus spielen für die Energiewende gemäss Abegg und Luthe (2012) folgende Themen eine zentrale Rolle: Tourismus, Energie und Klimaschutz funktionieren als komplexes Mensch-Umwelt-System. Der Tourismus ist auf die natürliche Umwelt als Ressource angewiesen, greift in diese durch die touristische Nutzung ein und wirkt z.B. durch einen erhöhten Energieverbrauch auf das Klima ein. Durch die Bilanzierung der Einflüsse auf das Oekosystem können diese Zusammenhänge sichtbar und somit auch steuerbar gemacht werden. So können klimaneutrale Destinationen entwickelt werden.  Erneuerbare Energien werden im alpinen Tourismus zur Energieproduktion genutzt z.B. die Integration von Solaranlagen für die Betreibung eines Skiliftes oder Beheizung eines Hotels mittels Wärmepumpen. Das Senken von Energiekosten und die Steigerung der Energieeffizienz kann für Beherbergungsbetriebe ein zentraler Kosten und somit Wettbewerbsfaktor sein. Die Nutzung erneuerbarer Energien nimmt z.B. in Form von Wasserkraftwerken oder Windrädern massiven Einfluss auf die Landschaft. Dies kann touristisch gesehen einerseits als Attraktionspunkt genutzt werden, anderseits stellen diese auch störende Eingriffe dar, die von den Betroffenen kontrovers aufgenommen werden. Information, Kommunikation und Partizipation stellen zentrale Faktoren dar, um Beteiligte in Destinationen einzubinden und anderseits Touristinnen und Touristen zu sensibilisieren.

 

 

Forschungsschwerpunkt Infrastrukturentwicklung - Wie ist die Baubranche von der Energiewende betroffen?

Auf der Makroebene ist die Baubranche bei der Konzipierung von neuen Wohnformen und Siedlungen von der Energiewende betroffen. Durch eine intensivere Nutzung von Gebäuden durch mehrere Generationen, verdichtetes Bauen und Zusammenführen von Arbeiten und Leben werden der Verbrauch von Wohnfläche und Mobilitätskosten reduziert. Die energetische Sanierung bestehender Gebäude und intelligent geplante Plusenergiehäuser, welche weitgehend mit Sonnenenergie erwärmt und betrieben werden, helfen die Energieeffizienz zu erhöhen. Der Bauprozess selber mit der Auswahl von lokalen Materialien sowie der Wiederverwendung von Materialen (Prinzip „cradle to cradle“) trägt ebenso zur Energiewende bei. Auf der Mikroebene kann durch Gebäude- und Haustechnik sowie Energieeffizienz von Geräten im Gebäude selber Energie gespart werden.

 

Mit einem systemischen Verständnis, welches die wichtigsten obengenannten Einflussfaktoren identifiziert, Synergien, Rückkopplungen und Nutzungskonflikte aufzeigt, kann die Herausforderung Energiewende im Lebensraum Graubünden angegangen werden.

 

Die HTW Chur kann die Energiewende als Fachhochschule in fast allen Bereich unterstützen, deckt sie doch alle prioritären Bereich wie Tourismus, Bau, Ökonomie im Themenschwerpunkt Lebensraum aber auch Elektrotechnik, Informationstechnologie und Innovationsmanagement ab. Die verschiedenen Fachkompetenzen werden durch eine Kommission für Nachhaltigkeit koordiniert. Die Integration der Energiefragen in die skizzierten Forschungsschwerpunkte ist vielfältig, interdisziplinär und vernetzt. Unabhängige Forschung und Beratung werden in der Praxis stark nachgefragt sein und dieses Fachwissen kann über die Lehre wieder in die Ausbildung zukünftiger Fachleute einfliessen. Damit kommt die HTW Chur der Forderung der Bündner Regierung nach einer „Verstärkung der Lehre und angewandten Forschung im Bereich erneuerbare Energien in Koordination mit der Fachhochschule Ostschweiz bis ins Jahr 2015“ (Energiemonitoring Graubünden 2012, S. 5) nach.

 

Dabei wird nicht nur das Thema der Effizienz, welche sich der Verbesserung und Optimierung des Bestehenden annimmt, sondern auch die Konsistenz und Suffizienz im Brennpunkt stehen, um Rebound Effekte zu vermeiden. Konsistenz untersucht, in welcher Form bestehende Energiesysteme mit zukunftsfähigen und nachhaltigen Konzepten substituiert werden können. Suffizienz geht der Frage nach, wie wir mit einem möglichst geringen Einsatz von Rohstoffen Energie einsparen können und welchen Einfluss auf das Gesamtsystem das Verhalten jedes Einzelnen hat. Folgende Beispiele aus den Forschungsschwerpunkten sollen aufzeigen, wie sich verschiedene Bereiche entwickeln könnten.

 

 

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Tabelle 1: Effizienz, Konsistenz und Suffizienz für eine nachhaltige Energienutzung

Die HTW Chur sieht sich dabei als Impulsgeberin und Beraterin für eine innovative und nachhaltige Regionalentwicklung, damit die verschiedenen Initiativen nicht nur auf dem Papier sondern vor allem auch in der Praxis umgesetzt werden können.

Quellenverzeichnis

  • Amt für Energie und Verkehr Graubünden ( Hrsg.)(2013). Energiemonitoring Graubünden 2012. www.aev.gr.ch.
  • Amt für Natur und Umwelt Graubünden (2012). Fachbericht Nr. 242, Klimabericht Kanton Graubünden 2012.
  • Abegg, Bruno & Luthe, Tobias (2012). Neue Energie für den alpinen Tourismus. Schweizer Jahrbuch Tourismus 2012. Berlin: E. Schmidt.
  • Baur, Martin & Himmel, Margit (2012). Ökologische Steuerreform: Pläne des Bundesrates für die zweite Phase der Energiestrategie 2050. Die Volkswirtschaft, 11-2012, S. 12-15.
  • Brundtland-Kommission (1987). Unsere gemeinsame Zukunft. Der Brundtland-Bericht der Weltkommission für Umwelt und Entwicklung. Volker Hauff (Hrsg.).
  • Cavigelli, Mario. Südostschweiz. Ausgabe Graubünden. 28.12.2013.
  • Durchblick 2013. Graubünden in Zahlen. www.gr.ch.
  • Luthe, Tobias (2013). Nachhaltigkeit im Tourismus. Vorlesung Sustainability  im Masterstudiengang BA der HTW Chur.

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