Projekt Familienergänzende Kinderbetreuung in Graubünden - HTW Chur

Menu
Familienergänzende Kinderbetreuung in Graubünden

Projekt auf einen Blick

In einem ersten Schritt wurden alle Eltern in Graubünden befragt, deren Kinder eine Kinderkrippe, einen Hort oder Mittagstisch besuchen bzw. von einer Tagesmutter betreut werden. Letztlich beteiligten sich knapp 300 Personen an der Umfrage, was einer Rücklaufquote von 20 Prozent entspricht.

 

Vorwiegend werden Betreuungseinrichtungen vor Ort genutzt

Die meisten Kinder werden in einer Institution am Wohnort betreut. Immerhin aber fast ein Drittel aller Kinder wird ausserhalb des Wohnorts betreut; mehrheitlich deswegen, weil es in der Wohngemeinde keine Betreuungseinrichtung gibt oder eine Institution nahe der eigenen Arbeitsstelle bevorzugt wird. Erfreulich ist, dass zwei Drittel der Eltern überhaupt nicht auf einen freien Platz warten mussten; knapp 30 Prozent standen jedoch bis zu einem Jahr auf der Warteliste und weitere sechs Prozent mussten sich sogar noch länger gedulden. Interessant ist zudem die Tatsache, dass 60 Prozent der Eltern ihre Kinder zusätzlich privat betreuen lassen (z. B. durch Grosseltern, Spielgruppe), vor allem um Randzeiten abzudecken.

 

Berufstätigkeit und soziale Entwicklung des Kindes als Hauptgründe für die Betreuung

Die mit Abstand wichtigsten Gründe, weshalb Eltern institutionelle Betreuungsformen nutzen, sind die «Ermöglichung einer beruflichen Tätigkeit » und die «soziale Entwicklung des Kindes». Dahinter rangieren die «frühkindliche Bildung» und Zeit für «eigene Aus-/Weiterbildung». Bei einer Aufschlüsselung nach dem Zivilstand der Befragten zeigt sich wenig überraschend, dass die «Ermöglichung einer beruflichen Tätigkeit» insbesondere für Alleinerziehende eine sehr grosse Bedeutung hat.

 

Gutes Betreuungspersonal als Entscheidungsfaktor für die richtige Betreuungseinrichtung

Anschliessend wurden die Eltern zu ihren Auswahlkriterien befragt, die darüber entscheiden, ob und welche Betreuungsinstitution sie in Anspruch nehmen. Das mit Abstand wichtigste Kriterium stellt die «Qualität und Professionalität des Personals» dar, gefolgt von der «Qualität der Infrastruktur» und der «Nähe der Betreuungseinrichtung zum Wohnort». Zusätzlich wurden die Eltern gebeten, ihre Betreuungsinstitution im Hinblick auf dieselben Auswahlkriterien zu beurteilen. Hier zeigt sich insgesamt eine sehr grosse Zufriedenheit der Eltern. Insbesondere die wichtigsten Kriterien «Qualität und Professionalität des Personals» sowie «Qualität der Infrastruktur» sind zu fast 100 Prozent (sehr) gut erfüllt.

In einem zweiten Schritt wurden Eltern mit Kindern zwischen null und sechs Jahren aus vier Bündner Gemeinden befragt, warum sie ihre Kinder nicht institutionell betreuen lassen. Von den rund 2200 angeschriebenen Eltern beteiligten sich fast 340 Personen an der Umfrage, was einer Rücklaufquote von 15 Prozent entspricht.

 

Kein Bedarf und gute private Lösungen

Eltern nehmen vor allem deshalb keine Betreuungsinstitution in Anspruch, weil sie schlichtweg keinen Bedarf haben. Mit grossem Abstand rangiert dahinter das Kostenargument, das vor allem für Alleinerziehende ziemlich wichtig ist. Alle anderen Gründe wie zum Beispiel «keine freien Plätze» oder «lange Wartezeiten » haben dagegen eine stark untergeordnete Bedeutung. Über 80 Prozent der Eltern nutzen dafür aber – zusätzlich zur Eigenbetreuung ihrer Kinder – private, nichtinstitutionelle Betreuungsformen. Die wichtigste Rolle spielt dabei die Betreuung durch Familienangehörige, insbesondere die Grosseltern. Betrachtet man ihre Beweggründe genauer, stellt man eine grosse Übereinstimmung mit denjenigen Gründen fest, die in der ersten Elternbefragung als ausschlaggebend für die Inanspruchnahme einer institutionellen Betreuung genannt wurden. Erneut sind nämlich die «soziale Entwicklung des Kindes» – diesmal an erster Stelle – und die «Ermöglichung einer Berufstätigkeit» die wichtigsten Motive.

 

Blick in die Zukunft

Obwohl diese Eltern momentan eine gute private Lösung gefunden haben, wollen gut 20 Prozent von ihnen ihre Kinder zukünftig institutionell betreuen lassen, während weitere 40 Prozent noch unentschlossen sind. Bei der gewünschten Betreuungsform zeigt sich ganz klar die Dominanz von Kindertagesstätten und -krippen gegenüber Tagesfamilien.

 

Zusammenfassung und Ausblick

Die Befragungen haben gezeigt, wie wichtig es ist, dass Eltern die Wahlfreiheit haben, wie sie ihre Kinder betreuen lassen möchten. In jedem Fall möchten die Eltern die soziale Entwicklung ihrer Kinder fördern und selbst berufstätig sein. Um dies zu gewährleisten, müssen ausreichende und qualitativ hochstehende Betreuungseinrichtungen vorhanden sein, da den Eltern bei der Wahl der geeigneten Institution in erster Linie Qualitätsaspekte wichtig sind. Erfreulicherweise scheint das derzeitige Angebot diesem Anspruch zu genügen, wie die hohe Zufriedenheit der Eltern mit ihrer Betreuungsinstitution belegt.

Dass noch weiteres Potenzial für die institutionalisierte Kinderbetreuung besteht, zeigt sich unter anderem darin, dass etliche Eltern, die ihre Kinder derzeit nur privat betreuen lassen, zu einem späteren Zeitpunkt eine institutionalisierte Betreuung erwägen. Zusätzlich nutzen derzeit sehr viele Eltern – unabhängig davon, ob ihre Kinder in eine Betreuungsinstitution gehen – private Betreuungsformen, vor allem durch Grosseltern. Angesichts der aktuellen sozioökonomischen Entwicklungen – wie etwa der steigenden Erwerbsbeteiligung von Frauen in Verbindung mit längeren Lebensarbeitszeiten und einer sinkenden Bedeutung der Grossfamilien – ist jedoch zu erwarten, dass diese innerfamiliären Betreuungsformen an Bedeutung verlieren und der Bedarf an institutionalisierten Angeboten steigt.

  • Project

    Familienergänzende Kinderbetreuung in Graubünden
  • Lead

    Zentrum für wirtschaftspolitische Forschung (ZWF) More about the Institute/Centre
  • Involved parties

    Sozialdepartements Graubünden, Stadt Chur
  • Research fields

    Arbeitsmartk- und Sozialpolitik More about the research fields
  • Funding

    Sozialdepartement Graubünden, Stadt Chur
  • Duration

    Februar 2012 - März 2013

Team

Folgende ehemalige Mitarbeiterinnen arbeiteten am Projekt mit:

  • Silvia Simon
  • Claudia Zogg

Weiterführende Information

Publikationen