Projekt Baumemorandum Sonthofen - HTW Chur

Menu
Projekt
Baumemorandum Sonthofen

Projekt auf einen Blick

Für Diskussionen über Architektur und Gestaltung fehlen den Gemeinden oftmals die Argumente. Gebäudegrössen und -abstände, Nutzungsarten sowie die Anzahl der Parkplätze werden im Baugesetz geregelt. Sobald ästhetische und gestalterische Differenzen entstehen, ist das Gesetz jedoch machtlos.

Im Forschungsfeld Siedlungsplanung und Ortsbildentwicklung wurde ein Instrument für Baubehörden, Planerinnen/Planer und Eigentümerinnen/Eigentümer entwickelt, das die Frage der Schönheit analytisch und ortstypisch beantworten kann. Es kann als «gestalterisches Gewissen» der Gemeinde bezeichnet werden. Ordnungsprinzipien und Zielsetzungen sind einfach und verständlich dargestellt. Mit dem Baumemorandum können Siedlungsbilder erhalten, gestärkt oder auch weiterentwickelt werden.

Das Potenzial des Baumemorandums wurde 2012 mit dem 1. Rang des Stadt-Land-Preises gewürdigt. Seitdem sind diverse Memoranden mit unterschiedlicher Bearbeitungstiefe entstanden. Neben einem Baumemorandum für die Gemeinde Teufen wird derzeit auch ein Fassadenmemorandum als Teil der Bauleitplanung von Schwyz erarbeitet.

Ausgangslage

Die Gestaltung von Siedlungen und Dörfern wird auf kantonaler Stufe durch sogenannte Ästhetikvorschriften in der Gesetzgebung reguliert. Diese ästhetischen Generalklauseln besagen, dass Veränderungen des Dorfbildes nur bei Erreichung einer befriedigenden Gesamtwirkung des Ortes bewilligt werden dürfen. Die Gesetzestexte bleiben hierbei generell formuliert und lassen einen enormen Ermessensspielraum offen, der zur Gewährleistung der Gemeindeautonomie eingeräumt wurde. Nun entstehen aufgrund dieses Ermessensspielraums in vielen Gemeinden speziell bei Bauprojekten im identitätsprägenden Dorfkern Unsicherheiten und Streitfälle bezüglich der Bewilligungspraxis.

Das Baumemorandum ist eine Methodik – ein Arbeitsinstrument, das diese Lücke schliesst. Mit dem Baumemorandum können Siedlungsbilder erhalten, gestärkt oder weiterentwickelt werden. Gleichzeitig werden wichtige Bewilligungsentscheide quartierweise gesammelt, um eine gleichwertige Behandlung aller Baugesuche auch über die Amtszeiten wechselnder Behördenmitglieder hinaus sicherzustellen. Anstatt Gestaltungsvorschriften im Baugesetz festzulegen, werden Gestaltungsprinzipien zur Stärkung der lokalen Baukultur entwickelt, die dann als Merkblatt oder als Handbuch der Gemeinde eingesetzt werden.

Projektziel

Die Methode hat in den vergangenen Jahren Bekanntheit erlangt, sodass nun auch die deutsche Gemeinde Sonthofen ein Baumemorandum durch die Bündner Denkfabrik erarbeiten lässt. Die Herausforderung besteht hier in der Adaption der deutschen Gesetzgebung und der Anpassung der Methode an die deutsche Bewilligungspraxis. Untersucht wird im Projekt Baumemorandum Sonthofen auch die Allgemeingültigkeit der Methode bei unterschiedlichen Rahmenbedingungen und gesetzlichen Vorgaben. Der Bedarf und das Interesse an einem Baumemorandum Sonthofen wurden durch diverse Bauabsichten im Dorfkern ausgelöst. Wie soll sich der historische Dorfkern, der nicht mehr das wirtschaftliche Zentrum Sonthofens darstellt, weiterentwickeln? Welche Möglichkeiten es gibt, um eine Wiederbelebung des Quartiers zu erreichen, und welche gestalterischen Vorgaben hierbei zielführend sind, wird in enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde erarbeitet.

Planskizze 1 Gebäude
Planskizze 2 Gebäude

Team

Bühler Krebs Sandra
dipl. Ing. Architektur und Stadtplanung
Wagner Christian
Prof., Dipl. Arch. ETH/SIA

Das Projekt wird zudem von den folgenden Personen unterstützt:

  • Mirco Blöchlinger, studentische Mitarbeit
  • Didier Brischoux, studentische Mitarbeit
  • Aldo Menegon, Mazetta & Menegon Partner AG
  • Fritz Weidlich, Bauverwaltung Stadt Sonthofen
  • Stefanie Kennerknecht, Bauverwaltung Stadt Sonthofen
  • Andreas Maier, Stab Wirtschaftsförderung Stadt Sonthofen

Weiterführende Information

Beteiligte

Das Projekt wird vom Institut für Bauen im alpinen Raum (IBAR) in Zusammenarbeit mit der Mazetta & Menegon Partner AG im Auftrag der Stadt Sonthofen umgesetzt.