Projekt Digitalisierung des Baumemorandums - HTW Chur

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Projekt
Digitalisierung des Baumemorandums
Projekt auf einen Blick

Projekt auf einen Blick

Das vom Forschungsteam Siedlungsplanung und Ortsbildentwicklung konzipierte und in der Schweiz und in Deutschland in zahlreichen Gemeinden angewandte Planungs- und Gestaltungsinstrument Baumemorandum soll in das Geografische Informationssystem GIS sowie das Building Information Modeling System BIM implementiert werden.

Ausgangslage

Ausgangslage

Seit einigen Jahren bietet die Raumplanung politisch viel Zündstoff für Diskussionen. Dies führte unter anderem zur Revision des Raumplanungsgesetzes und zur kürzlich debattierten Zersiedelungsinitiative. Hohe Priorität nehmen bei diesen Diskussionen der Landschaftsschutz und der nachhaltige Umgang mit Baulandressourcen ein. Je rigoroser die Umsetzung dieser Schutzbemühungen in noch unbebauten Gebieten gehandhabt wird, umso grösser wird umgekehrt der bauliche Veränderungsdruck in den bestehenden Siedlungsstrukturen, den Dörfern und Dorfkernen. Gemeinden sind dazu angehalten, eine Entwicklung nach  innen zu fördern und gleichzeitig die wichtigen baulichen Kulturwerte des Ortsbildes zu wahren. Ein steter Konflikt, sind doch die inneren Baulandreserven oftmals in den historischen Dorfkernen zu finden. Was ohne engagierten gestalterischen Effort entsteht, ist schon heute in den Agglomerationen gebaute Wirklichkeit – eine globalisierte Allerweltsarchitektur ohne lokale Bezüge.

Charakteristische Dorfbilder werden zunehmend als wichtige Standortmerkmale wahrgenommen, mit denen man sich identifiziert und auf die man stolz sein möchte. Dies ist besonders im Tourismuskanton Graubünden ein wirtschaftlich entscheidender Faktor.

Projektziel

Projektziel

Die Forschungsgruppe Siedlungsplanung und Ortsbildentwicklung des IBAR hat eine Methode erforscht und entwickelt, wie die bauliche Identität eines Ortes dargestellt und gewahrt werden kann, ohne die Innenentwicklung zu verhindern. Das Baumemorandum kann als Instrument zur Weiterentwicklung lokaler Baukultur bezeichnet werden. Es analysiert den Baubestand und leitet daraus Gestaltungsgrundsätze für Um- und Neubauten ab. Die kontinuierliche Anwendung des Baumemorandums trägt dazu bei, dass sich Dörfer in ihrer Entwicklung durch eine gepflegte Authentizität vom globalen Einerlei absetzen und sich als ortsbaulich attraktive Wohngemeinden und Destinationen für Gäste auszeichnen.

Die Anwendung erfolgte bisher analog. Mittlerweile wird die von den Planerinnen und Planern benötigte Information jedoch über Geoportale mittels GIS (Geographic Information System) bezogen und die Zukunft der Planung liegt in der Projektbearbeitung mit BIM (Building Information Modeling). Ziel des hier beschriebenen Forschungsprojekts ist die Integration des Baumemorandums in die Geoportale (GIS) und die direkte Verknüpfung mit dem digitalen Planungsprozess (BIM).

Umsetzung

Umsetzung

Nebst der Erforschung der technischen Machbarkeit und der Entwicklung einer adäquaten Anwendung des digitalen Baumemorandums sind zwei Themenfelder zu klären, die unterschiedliche Auswirkungen auf die zukünftige Praxis und Bedeutung des Instruments haben können: Einerseits besteht seit dem Bundesgerichtsentscheid BGE 135 II 209 Rüti ZH die Forderung, die Inhalte der Bundesinventare (ISOS und IVS) in die Nutzungsplanungen zu integrieren. Es ist zu prüfen, ob das Baumemorandum eine Antwort auf diese Forderung darstellt. Für eine Fallgemeinde wird eine Zusammenführung des ISOS mit der Nutzungsplanung erstellt und es werden Lösungsstrategien für Konfliktbereiche aufgezeigt. Andererseits soll dem digitalen Baumemorandum eine einfach zu bedienende Anwendung zur Einsicht der Baubewilligungsentscheide angegliedert werden. Dies wird derzeit in den Gemeinden noch als Ordnerstruktur in Papierform gepflegt und soll zukünftig durch eine digitale Datenbank abgelöst werden. Hierzu gilt es, differenzierte Nutzergruppen zu definieren und in unterschiedlichen Szenarien zu klären, wie die dort archivierten Daten zur Verfügung gestellt werden können.

Resultate

Resultate

Um schon zu Beginn des Planungsprozesses von Bauprojekten die Gestaltungshinweise der Gemeinden einsehen und beachten zu können, soll das Baumemorandum mit dem Geoportal verknüpft werden. Daten und Planungshilfsmittel sollen so zur Verfügung stehen, dass sie als Vorbereitung für eine digitale Baueingabe in das BIM integriert werden und gleichzeitig automatisch in die neu entwickelte Datenbank eingeflochten werden können.

«Auch in Fragen der Gestaltung gibt es eine wissenschaftliche Herangehensweise.»
«Auch in Fragen der Gestaltung gibt es eine wissenschaftliche Herangehensweise.»
Sandra Bühler-Krebs, Projektleiterin am IBAR
Weiterführende Information

Weiterführende Information

Beteiligte

Das Projekt wird vom Institut für Bauen im alpinen Raum (IBAR) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Photonics und ICT (IPI) im Auftrag von diversen Gemeinden umgesetzt.