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Das Ziel immer klar vor Augen
Das Ziel immer klar vor Augen

Das Ziel immer klar vor Augen

Lorella Kessler weiss, was sie will. Schon als Kind war sie von Banken fasziniert. Bereits nach ihrem Lehrabschluss wusste sie, dass sie möglichst bald Leute führen möchte. Heute arbeitet sie bei der UBS AG in Zürich und ist Oberleutnant im Militär. Mit viel Enthusiasmus und Fleiss, aber auch mit Offenheit und Flexibilität, geht sie ihren Weg. Und über die Steine, die dort liegen.

Text: Petra Caviezel / Bild: Gino Clavuot, Petra Caviezel, zVg private Aufnahmen

Petra Caviezel: Liebe Frau Kessler, im Jahr 2015 haben Sie Ihr Bachelorstudium in Betriebsökonomie an der HTW Chur abgeschlossen. Was waren Ihre persönlichen Highlights während der Studienzeit?

Lorella Kessler: Ich durfte während meines Studiums viele Freundschaften schliessen. Drei Jahre sind eine lange Zeit, wenn man jung ist. Die Menschen, die ich währenddessen kennengelernt habe, haben mich geprägt und hatten bestimmt auch einen Einfluss auf berufliche Entscheidungen, die ich danach getroffen habe. Wir haben gemeinsam an Ideen gearbeitet, uns ausgetauscht und uns gegenseitig mit unserem Drive angesteckt. Wir haben uns zusammen entwickelt. Ich denke sehr gerne an meine Zeit an der HTW Chur zurück. Und ich habe heute noch mit einigen Mitstudierenden ein super Freundschaftsverhältnis.

Als Vertiefung haben Sie Banking gewählt. Weshalb?

Dass ich in die Bankindustrie wollte, war für mich von klein auf klar. Ich erinnere mich noch an das Kässeli, das ich als Kind von der UBS bekommen habe. Darin habe ich meine ersten Franken gesammelt. Ich fand den Umgang mit Geld schon immer spannend und wollte wissen, wie Banken funktionieren.

Ihren Master haben Sie an der Universität Saint Andrews in Schottland absolviert. Wieso haben Sie sich für diese Uni entschieden?

Ich hatte den Wunsch, mein Masterstudium an einer Universität im Ausland zu absolvieren. Ich mag es, mich in einem neuen Umfeld zu behaupten und meine Selbständigkeit zu fördern. Bei der Auswahl der Universität habe ich mich unter anderem an die Rankings gehalten. Saint Andrews ist die Top 1 der Wirtschafts-Universitäten in Grossbritannien. Das war aber nicht der einzige Grund, weswegen ich dafür gearbeitet habe, um dort zu studieren. Saint Andrews ist landschaftlich wunderschön gelegen. Man kann sich dort sehr gut auf sich selbst und die persönliche Weiterentwicklung konzentrieren. Nach meinem Betriebswirtschaftsstudium mit Vertiefung in Banking war es mir wichtig, meinen Horizont zu erweitern. So habe ich International Business an der Universität Saint Andrews gewählt.

Die Auflagen an diesen Unis sind gross. War Ihr Abschluss an der HTW Chur so wahnsinnig gut?

(Lacht.) Ja, ein guter Abschluss war einer der Faktoren für die Zulassung. Die Qualität des Studiums war mir sehr wichtig. Die Vertiefung Banking beinhaltet an der HTW Chur die Vorbereitung auf die CFA-Level-1-Prüfung. CFA (Chartered Financial Analyst) ist international anerkannt und hoch angesehen. Ich hatte also die Möglichkeit, mich während des Bachelorstudiums auf Bankprodukte und das Bankwesen zu fokussieren. Ausserdem musste ich meinen festen Willen, an der Universität Saint Andrews zu studieren, in einem Motivationsschreiben aufzeigen. Auch meine Hobbies oder mein militärischer Werdegang haben dazu beigetragen, dass ich aufgenommen wurde.

Was sind die Unterschiede zwischen der HTW Chur und der Universität SaintAndrews?

An der HTW Chur habe ich es sehr geschätzt, dass wir Studierende sehr eng begleitet und wirklich gut betreut wurden. In Saint Andrews studieren viel mehr Leute und die Klassen sind grösser – da ist dieses Zusammenspiel zwischen Dozierenden und Studierenden gar nicht möglich. Ein weiterer Unterschied war der Praxisbezug. An der HTW Chur ging es vor allem um das aktive Anwenden von Modellen in der Praxis. In Saint Andrews haben wir Modelle auf theoretischer Ebene hinterfragt. Diese Kombination von Praxisbezug und Theorie ist sehr wertvoll für mich und meine Arbeit. Das Studentenleben habe ich sowohl in Chur als auch in Saint Andrews sehr genossen. Ich habe mich an beiden Orten wohlgefühlt und wertvolle Freundschaften geschlossen.

Seit Ende 2016 sind Sie bei der UBS AG in Zürich tätig. In einer Abteilung, in der Qualität ein grosses Thema ist.

Ich arbeite als Auditorin im Group Internal Audit. Qualitätsbewusstsein ist wichtig, da es in meinem Arbeitsalltag grundsätzlich um Qualitätssicherung geht. Nach einem Audit – einer internen Prüfung – erstelle ich einen Report. Dieser zeigt auf, was die betreffende Business-Einheit machen muss, um den Qualitätsstandard zu halten. Der Report an sich muss qualitativ hochstehend sein. Schliesslich beinhaltet er Vorgaben für die Qualitätssteigerung und Qualitätssicherung. Qualität ist also, so gesehen, der Hauptinhalt meiner Arbeit und immer präsent.

Gibt es Learnings aus Ihrem Bachelorstudium, die Ihnen bei der Ausübung Ihrer Tätigkeit helfen?

Das Studium ist sicher einer der Gründe, weswegen ich im Job erfolgreich sein kann. Wir haben gelernt, wie man strukturiert an eine Sache herangeht, wie man detailliert analysiert und wie Anwendung funktioniert. Wir haben auch gelernt, zu hinterfragen, Lösungen vorzuschlagen und dann auch hinter diesen zu stehen. Dank meines Studiums weiss ich auch, was es heisst, an einem Thema dran zu bleiben und sich durchzubeissen. Dies sind meiner Meinung nach alles wichtige Grundlagen, um erfolgreich zu sein.

Sie haben Ihren Lebensmittelpunkt von Graubünden nach Zürich verlegt. Wie sieht es mit der Lebensqualität aus?

Ich wurde in Zürich geboren und habe die ersten elf Jahre dort gelebt. Zürich ist mir also nicht ganz fremd. Lebensqualität schafft man sich, so finde ich, bis zu einem gewissen Grad selbst. Es kommt immer darauf an, wie man sein Leben an den Orten, an denen man wohnt und arbeitet, ausrichtet. Deshalb: Die Lebensqualität in Zürich ist toll, ich fühle mich sehr wohl hier. Graubünden bleibt aber immer mein Zuhause, egal wo ich lebe. Ich mag es, dass Graubünden so familiär ist, ich liebe die Berge und die Besuche bei meiner Familie. An Zürich mag ich, dass es so international ist. Ich empfinde es nicht als schlimm, den Lebensmittelpunkt zu verlegen, dafür war ich schon immer offen. Es gibt überall schöne Orte und nette Menschen. Und wenn man offen auf die Menschen zugeht, kommt viel zurück.

Sie sind Oberleutnant im Militär. Wie kam es dazu?

Ich war schon immer stolz darauf, Schweizerin zu sein. Ich durfte in einer sehr sicheren Umgebung aufwachsen und gebe meinem Land gerne etwas zurück. Ausserdem wollte ich schon in jungen Jahren Führungserfahrung sammeln. Da liegt eine Militärlaufbahn nah. Bereits während meiner Ausbildung habe ich wertvolle Unterstützung erhalten – auch dafür, meine Ziele zu erreichen. Im Alter von 20 Jahren konnte ich bereits 40 Rekruten ausbilden und führen, war für sie verantwortlich. Ich habe während dieser Zeit sehr viel über mich und für mein Leben gelernt. Ich habe auch gelernt, wie man mit kritischen Situationen umgeht, wie man schnell Entscheidungen trifft und dann alleine dafür verantwortlich ist. Das alles hat mir sehr viel gebracht und ich würde alles genauso wieder tun.

Hat Ihre militärische Laufbahn Ihren beruflichen Werdegang beeinflusst?

Ich konnte durch meine militärische Laufbahn schon früh eingrenzen und herausfinden, was ich gerne tue und in welchen Bereichen ich gut oder nicht so gut bin. Ich wusste also früh, welche Richtung gut für mich ist. Meine Erwartung an meinen Job ist, dass ich eigenständig arbeiten und relativ schnell Projektverantwortung übernehmen kann, mittelfristig auch eine Führungsposition. Darauf arbeite ich hin. Ich wollte einen Job, der mich fördert und fordert. Das Militär hat mir gezeigt, wo meine Stärken und Schwächen liegen. Es hilft mir auch beim qualitativ guten Arbeiten. Vor allem Organisieren, Disziplin, Entscheidungsfähigkeit, Krisenmanagement und strukturiertes Vorgehen habe ich im Militär vertieft gelernt. Das wissen auch die Schweizer Arbeitgeber. Ich bin in Uniform an mein Vorstellungsgespräch bei der UBS gegangen, weil ich zu jener Zeit im Militär war. Das hat meinem Vorgesetzten gefallen. Dass ich den Job deswegen bekommen habe, denke ich allerdings nicht.

Sie scheinen schon sehr angekommen zu sein ... Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Ich bin sehr dankbar, dass ich die Chance bekommen habe, bei der UBS zu arbeiten und meine Karriere zu starten. In fünf Jahren sehe ich mich in einer Management-Position. Ich kann mir auch gut vorstellen, im Ausland zu arbeiten. Mein Partner und ich sind da sehr offen und flexibel und ich habe das Gefühl, dass wir noch die ganze Welt entdecken könnten. Ich möchte die ganze Welt sehen! Und ich möchte mich entwickeln. Aber mein langfristiges Ziel ist es, Menschen zu führen. Meine Vorstellungen sind also klar. Ich bin ein fokussierter Mensch und habe meine Ziele immer vor Augen. Der Weg zum Ziel verläuft aber selten geradeaus, es gibt immer Steine, die auf dem Weg liegen. Das Wichtigste dabei ist, zu entscheiden, welche Leiter man nimmt, um die Steine zu überwinden. Ohne diese Steine ist zwar alles einfacher, aber auch langweiliger. So ist das Leben.

Über Lorella Kessler

Lorella Kessler ist 27 Jahre alt und lebt in Zürich. Seit rund zwei Jahren arbeitet sie bei der UBS AG als Auditorin im Group Internal Audit. Sie hat einen Masterabschluss in International Business und einen Bachelorabschluss in Betriebsökonomie. Ausserdem ist sie Oberleutnant im Militär. In ihrer Freizeit reitet sie und bereist die Welt.

Über UBS

UBS ist die grösste Schweizer Bank. Sie ist in 52 Ländern und auf allen wichtigen Finanzplätzen mit über 1000 Niederlassungen vertreten. Ende 2017 belief sich das von der UBS verwaltete Vermögen auf ca. CHF 3'179 Milliarden.

Beitrag von

Petra Caviezel

Organisationsassistenz