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Lehre und Forschung: «Eine spannende Kombination »

Lehre und Forschung: «Eine spannende Kombination»

Katrin Schillo, promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin, und Ruth Nieffer, Soziologin, arbeiten beide am Schweizerischen Institut für Entrepreneurship SIFE. Als Dozentinnen und Wissenschaftlerinnen haben sie die gleichen Aufgaben, fachlich kommen sie jedoch aus unterschiedlichen Wissensdisziplinen.

Text: Ruth Nieffer, Katrin Schillo / Bild: Yvonne Bollhalder

Wie sind Sie zu Ihrer Stelle an der HTW Chur gekommen?
Katrin Schillo: Ich wurde durch den Tipp einer guten Freundin auf das SIFE aufmerksam. Nach meiner Promotion im Jahr 2009 war ich als selbständige Projektleiterin tätig. Dies erlaubte es mir, im Winter als Skilehrerin nach Arosa zu kommen. In meiner Zeit an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg habe ich mich schwerpunktmässig in Forschung und Lehre mit der Internationalisierung von mittelständischen Weltmarktführern, interkulturellem Management und Training, Remote Services sowie mit virtuellen Auslandsentsendungen beschäftigt. Jetzt bin ich seit Januar 2013 am SIFE tätig.

Ruth Nieffer: Ich bin als Lehrbeauftragte für das Modul «Soft-Skills» im Bachelor-Studiengang Betriebsökonomie eingestiegen. Per 1. Juli 2009 habe ich dann eine Stelle als Wissenschaftliche Mitarbeiterin am SIFE angetreten. Seit April 2014 bin ich Dozentin für Wirtschaftspsychologie. Die wissenschaftliche Arbeit nimmt dennoch auch weiterhin mehr Arbeitszeit in Anspruch als die Lehrtätigkeit.

Sie sind beide im gleichen Institut tätig. Mit welchen Projekten befassen Sie sich derzeit?
Ruth Nieffer: Ich arbeite zurzeit an verschiedenen Projekten, jedes in einem unterschiedlichen Fortschrittsstadium. Eines ist zum Beispiel in der Vorprojektphase. Da heisst es, interessierte Firmen als Projektpartner/innen zu gewinnen und Drittmittel zu akquirieren, damit eine gemeinsame Projektidee umgesetzt werden kann. In einem anderen Projekt ist gerade dieses Vorhaben gescheitert: der Drittmittelantrag ist geschrieben, doch dem Kooperationspartner war es nicht mehr möglich, sich am Forschungsvorhaben zu beteiligen. Also stehen wir zurzeit wieder auf Feld 1 der Partnerakquise. Im dritten Projekt ist uns letztes Jahr eine Finanzierung geglückt und ich werte da gerade Expertinnen- und Experteninterviews zum Thema «Whistleblowing und Medien» aus.

Sie arbeiten mitunter im gleichen Forschungsprojekt zusammen.
Ruth Nieffer: Zurzeit arbeiten Katrin und ich an einem Vorprojekt zur Internationalisierung von Dienstleistungen. Bei der Konkretisierung der Projektskizze beispielsweise erweisen sich Katrins Erfahrungen aus dem Projekt mit den Auslandshandelskammern als sehr hilfreich zum Verständnis der Problematik.

Katrin Schillo: Das Schöne beim SIFE ist, dass wir das Wissen und die Fähigkeiten aller Teammitglieder nutzen und sie je nach Projekt – in unterschiedlichen Konstellationen – zusammen bringen.

Hört sich nach spannender, aber auch nach viel Arbeit an…
Ruth Nieffer: Wir arbeiten alle meist an mehreren Projekten gleichzeitig. Auf diese Art zu arbeiten, birgt auch etwas die Gefahr, in den interessanten Aufgaben aufzugehen und dabei gleichzeitig auszubrennen. Die thematische Abwechslung im Arbeitsalltag schätze ich jedoch. Ich könnte nie jeden Tag dasselbe machen. Die Kunst «zu brennen, aber nicht auszubrennen» scheint es zu sein, sich thematisch zu fokussieren und auch mal «Nein» zu sagen.

Katrin Schillo: Auch mir ist dieser Abwechslungsreichtum sehr wichtig, ich finde es spannend, immer in neue Bereiche hineinzusehen. Dabei sollte man sich selbst aber immer darüber im Klaren sein, wo man sich mit seiner Forschungsarbeit thematisch positionieren will. Eine Herausforderung der verschiedenen Projekte ist die zeitliche Koordination. Zur Forschung kommt noch die Lehre. Ich bin also Dozentin, Consultant und Forscherin in einem, mir wird so schnell nicht langweilig.

Reden wir von «Honest», einem abgeschlossenen KTI-Projekt. Was hat es mit der Ehrlichkeit auf sich?
Ruth Nieffer: Das war eine ganz spannende Sache. Es ging darum, ein Trainingsinstrument zur Korruptionsprävention zu entwickeln, um damit Mitarbeitende von exportorientierten Unternehmen für die Korruptionsproblematik im internationalen Geschäft zu sensibilisieren. Unsere Projektpartnerinnen waren Siemens Schweiz und TATA Interactive Systems, ein Softwarehersteller für Planspiele. Mit deren fachkundiger Unterstützung entwickelten wir ein computerbasiertes Planspiel und einen didaktischen Leitfaden. Wir befragten zahlreiche Personen zu ihren Erfahrungen mit dem Phänomen Korruption. Deren Erlebnisse flochten wir in die Geschichte eines fiktiven Infrastrukturprojekts ein. Das war vergleichbar mit dem Schreiben eines Film-Skripts.

Dank diesen authentischen Szenarien und der Simulation können wir Korruption und seine Facetten für Trainingsteilnehmende erlebbar machen. Ziel ist es, aus fehlerhaften Entscheidungen in der «geschützten Welt» der Computersimulation zu lernen, um dann im realen Geschäftsalltag für sich und das Unternehmen das richtige Verhalten an den Tag legen zu können – oder um es mit den Worten unserer Projektpartnerin Siemens Schweiz zu sagen: «um saubere Geschäfte zu machen.»

Von der Forschung zur Lehre. Was unterrichten Sie?
Katrin Schillo: Wir unterrichten beide im Bachelor-Studiengang Betriebsökonomie. Ruth lehrt im Modul «Soft Skills» Grundlagen der Psychologie (Persönlichkeits-, Sozial- und Entwicklungspsychologie) sowie Wirtschaftsethik.

Ruth Nieffer: Katrin unterrichtet vor allem in der allgemeinen Betriebswirtschaft die Fächer «Unternehmerisches Denken und Handeln» sowie «Entscheidungsmethodik». Im Herbstsemester werden wir mehr Zeit für die Lehraufgaben, d.h. die Betreuung der Studierenden und für die Vorbereitung des Lehrstoffs und der Prüfungen, aufwenden. Entsprechend müssen wir die Projektarbeit anpassen.

Ich betreue in den beiden Modulen etwa 40 Studierende. Ich schätze, dass die Unterrichtsräume von meinem Büro aus einfach zu erreichen sind. Das macht den Wechsel in die Lehre zum logistischen Kinderspiel. Gleichzeitig haben die Studierenden die Möglichkeit, auch ausserhalb ihrer Unterrichtszeiten mit Fragen oder Anliegen «mal schnell» vorbei zu schauen.

Katrin Schillo: Je nach Fach und Semester unterrichte und betreue ich bis zu 80 Studierende. Dies entspricht knapp einem Viertel meiner Arbeitszeit. Die Lehre ist mir sehr wichtig. Besonders schön ist, wenn ich die Brücke zu unseren Projekten schlagen kann.

Tönt nicht nach einem 8 Stunden-Tag…
Ruth Nieffer: Eher nicht… Wir haben in der Lehre einen fixen Stundenplan. An den haben wir uns zu halten. Das bedeutet, dass wir alle anderen anfallenden Arbeitsaufgaben darum herum planen müssen. Das verlangt uns viel Selbstorganisation und Flexibilität ab und führt mitunter dazu, dass wir viel arbeiten, weil Lehre und Aufgaben im Forschungsprojekt trotz besten Planungsabsichten kollidieren.

Katrin Schillo: Etwas ist immer dringend. Es braucht dann echt Nerven, auch einmal einen Gang zurück zu schalten.

Werden die Arbeitszeiten notiert?
Katrin Schillo: Ja, wir schreiben unsere Arbeitszeiten auf die Zehntelstunde genau auf. Das kannte ich so nicht und fällt nicht immer ganz leicht. Doch die abwechslungsreiche und anspruchsvolle Arbeit macht den Job aus und es gibt keine Langweile. Zudem leben und arbeiten wir in einer der schönsten Ecken der Schweiz.

Ruth Nieffer: Ich bin da mit Katrin einig. Mentale Selbstpflege und Musse in unserem leistungsorientierten Arbeitsumfeld finde ich ganz wichtig, damit wir als Wissensarbeiterinnen leistungsfähig bleiben – doch gehört diese noch in rapportierbare Arbeitszeit, oder ist das schon Freizeit? Wenn ich als Wissensarbeiterin abends nach Hause gehe, schaltet das Gehirn ja nicht einfach ab. Denke ich noch über das Eine oder Andere im Antrag nach, den ich gerade schreibe, bin ich jetzt noch oder schon nicht mehr produktiv? Man darf schon hinterfragen, was die angemessene Form ist, um Arbeitszeit und Produktivität im Wissenschaftsbetrieb zu belegen.

Beitrag von

Ruth Nieffer

Dozentin für Wirtschaftspsychologie

Katrin Schillo

Wissenschaftliche Mitarbeiterin