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Kooperationen in der Forschung – Motor für Innovationen

Kooperationen in der Forschung – Motor für Innovationen

Grosse gesellschaftliche und technische Herausforderungen, neue Berufsfelder sowie eine weltweit vernetzte Wissenschaft sind, neben der Generierung von zusätzlichen finanziellen Mitteln, Gründe für Hochschulkooperationen. Viel bedeutender ist jedoch, dass effektive Forschungskooperationen eine entscheidende Grundlage für die Sicherung und Steigerung der Innovationsleistung und damit für die Wettbewerbsfähigkeit einer Region bilden.

Text: Prof. Josef Walker / Bild: Yvonne Bollhalder

Im Folgenden sollen drei Kooperationsformen im Kontext der Forschung näher beleuchtet werden: Kooperationen mit anderen Hochschulen und wissenschaftlichen Einrichtungen, Kooperationen mit der Wirtschaft und öffentlichen Institutionen sowie Kooperationen mit der öffentlichen Hand im Rahmen von Forschungs-Förderprogrammen.

Kooperationen mit anderen Hochschulen und Forschungseinrichtungen

Solche Kooperationen bieten die Möglichkeit, in Fachgebieten, die aufgrund beschränkter personeller oder materieller Ressourcen üblicherweise keine eigenen grossen Forschungsprojekte (wie z. B. EU-Projekte) durchführen können, durch Bündelung der Ressourcen (gemeinsame Projekte) eine kritische Forschungsgrösse zu erreichen. Die Kooperation geht dabei über den reinen Erfahrungs- und Wissensaustausch hinaus und spielt nicht zuletzt dann eine wichtige Rolle, wenn für die Forschungsvorhaben Förder- oder Drittmittel eingeworben werden. Darüber hinaus stellen derartige Kooperationen einen Erfolg versprechenden Weg dar, um durch die Schaffung von Synergien – wie zum Beispiel die gemeinsame Nutzung von Infrastruktur, der Aufbau neuer Forschungsnetzwerke oder ein stärkerer Erfahrungsaustausch – bessere Forschungsergebnisse zu erzielen.

Beispiel

Aufbau und Weiterentwicklung des Service Innovation Lab mit der Fraunhofer Gesellschaft

Kooperationen mit der Wirtschaft und öffentlichen Institutionen

Für Unternehmen und öffentliche Institutionenerfüllen Hochschulen eine Art «Antennenfunktion», indem sie den wissenschaftlichen und technischen Fortschritt beobachten und den aktuellen Stand weitergeben. So können Unternehmen und öffentliche Institutionen Vorteile aus einer Kooperation mit Hochschulen ziehen, von denen insbesondere kleine und mittlere Unternehmen (KMU) profitieren können:

  • Oft fehlen die Kapazitäten oder das Know-how, um Forschungsprojekte vollständig im Unternehmen oder innerhalb der öffentlichen Institution umzusetzen.
  • Die technische Ausstattung ist für einzelne Projekte zu teuer, so dass sich die Anschaffung nicht lohnen würde.
  • Unternehmen und öffentliche Institutionen holen sich neue Wissens- und Technologiekompetenz durch die Vergabe von Bachelor- oder Masterarbeiten. So haben sie die Chance, mögliche zukünftige Mitarbeitende kennenzulernen.

Für Hochschulen liegen die Vorteile von Kooperationen mit Unternehmen und öffentlichen Institutionen auf der Hand. Durch solche Projekte stellen die Hochschulen einen engen Praxisbezug sicher und bewegen sich am Puls der Zeit. Weitere Motive sind eine höhere Reputation der Hochschule, bessere Berufsperspektiven der Absolventinnen und Absolventen sowie der Zugang zu Forschungsfragen, Technologien und Know-how. Gerade die Reputation einer Hochschule hängt unter anderem stark vom Innovationsgehalt der Forschungsergebnisse ab.

Kooperationen mit der öffentlichen Hand im Rahmen von Förderprogrammen

Die Wirtschaft braucht einen möglichst einfachen Zugang zur Wissenschaft. Der öffentlichen Hand kommt die Aufgabe zu, Hindernisse, die diesen Zugang erschweren, auszuräumen und optimale Rahmenbedingungen zu schaffen. Die Politik wird dadurch zum «Ermöglicher» der Innovation. Zusätzlich unterstützt die öffentliche Hand die hiesige Forschung im Rahmen von Förderprogrammen. Dazu gehören unter anderem die Fördermöglichkeiten des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) sowie der Innosuisse (ehemals Kommission für Technologie und Innovation KTI). Der SNF fördert die wissenschaftliche Grundlagenforschung, während sich Innosuisse auf anwendungsorientierte Vorhaben mit Firmen konzentriert. Damit steht beim SNF der Erkenntnisgewinn im Vordergrund und bei Innosuisse die konkrete Produktinnovation. Deshalb ist gerade Innosuisse ein wichtiger Partner für die Fachhochschulen, die sich ja stark auf die anwendungsorientierte Forschung ausgerichtet haben. Dabei fliessen die Innosuisse-Gelder zu der in der Kooperation engagierten Hochschule und nicht direkt zur beteiligten Firma. Risikoreichere und aufwändigere Forschungsarbeiten lasten so nicht mit vollem Gewicht auf dem beteiligten Unternehmen.

Beispiel

Förderung des Projekts IMAGINE (Cross-modal information extraction for improved image meta data) durch Innosuisse

Wie gelingen Kooperationen?

Für die Zusammenarbeit mit Hochschulen ist eine hohe Bereitschaft zum Teilen des vorhandenen Wissens nötig. Damit unterscheidet sich diese Kooperationsform wesentlich von Kooperationen mit anderen Kategorien von Partnern, wie zum Beispiel Unternehmen.

Der wichtigste Erfolgsfaktor einer Kooperation und somit der Schlüsselfaktor für erfolgreiche gemeinsame Projekte ist dabei das Vertrauen. Ein vertrauensvoller Umgang zwischen den Partnern, also eine verlässliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe, garantiert den Erfolg am besten. Ein zentraler Aspekt ist dabei sicherlich, die Interessen der Partner zu respektieren. Ausserdem ist es hilfreich, frühzeitig die Erwartungen hinsichtlich Projektmanagement, Rechten an Forschungsergebnissen, Publikationsfreiheit, Geheimhaltung, Haftung usw. zu diskutieren und im weiteren Verlauf schriftlich festzuhalten.

Beitrag von

Josef Walker, Prof.

Leiter des Departements Entrepreneurial Management, Mitglied der Hochschulleitung