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Nahrungsmittelindustrie bevorzugt Marktöffnung mit Ländern ausserhalb der EU

29. Juni 2017

Eine allfällige Marktöffnung für Agrarprodukte und Lebensmittel schafft Gewinner und Verlierer in der Schweizer Nahrungsmittelindustrie. Eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur zeigt, dass Freihandelsabkommen mit aussereuropäischen Ländern für Unternehmungen der Nahrungsmittelindustrie im Allgemeinen attraktiver sind als ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union (EU) bei Agrargütern und Lebensmitteln.
 
Im Auftrag des Bundesamtes für Landwirtschaft haben Patrick Baur und Peter Moser vom Zentrum für wirtschaftspolitische Forschung (ZWF) der HTW Chur untersucht, welche Auswirkungen eine Marktöffnung bei Agrar- und Lebensmitteln auf die Schweizer Nahrungsmittelindustrie hat. Dabei wurden die Auswirkungen der beiden Szenarien «Freihandelsabkommen mit aussereuropäischen Ländern» und «Freihandelsabkommen mit der EU bei Agrargütern und Lebensmitteln» mit der Entwicklung ohne Marktöffnung verglichen. Die Resultate basieren auf einer statistischen Analyse der jüngsten Entwicklung der Nahrungsmittelindustrie, auf Erkenntnissen aus früheren Studien und auf quantitativen und qualitativen Rückmeldungen von ausgewählten Unternehmensvertretern der Schweizer Nahrungsmittelindustrie anlässlich eines Workshops. (Studie steht zuunterst als Download zur Verfügung)
 
Freihandelsabkommen mit aussereuropäischen Ländern
Solche Abkommen werden den Strukturwandel in der Branche punktuell verstärken und können zu einem Kapazitätsabbau bei Verarbeitern der ersten Stufe führen, falls die Produktion der zu verarbeitenden Rohstoffe in der Schweiz zurückgeht. Demgegenüber können exportorientierte Unternehmen ihre Produktionskapazitäten in der Schweiz erhöhen. Sie werden ihre Internationalisierungsanstrengungen intensivieren, da der Marktzutritt im Ausland verbessert wird. Freihandelsabkommen sind besonders attraktiv für exportorientierte Subbranchen (z.B. Käse, Milchprodukte), wenn vorübergehend Vorteile gegenüber der Konkurrenz aus der EU entstehen. Eine generelle Quantifizierung der Beschäftigungswirkungen ist schwierig, da sie von den konkreten Freihandelsabkommen abhängen. Falls der Freihandelspartner für Schweizer Produkte ein attraktiver Markt ist und die Importkonkurrenz aus diesem Land begrenzt ist, kann die Beschäftigung in der Branche jedoch leicht zunehmen.
 
Freihandelsabkommen mit der EU bei Agrargütern und Lebensmitteln
Bei diesem Szenario ist ein ausgeprägter Strukturwandel innerhalb der Nahrungsmittelindustrie wahrscheinlich. Eine Marktöffnung zur EU führt zu einer starken Importkonkurrenz bei bislang geschützten Bereichen (z.B. Gemüse-, Kartoffel- und Ölsaatenverarbeitung). Demgegenüber profitieren exportorientierte Unternehmen. Zusätzliche Exportmöglichkeiten entstehen durch den Zollabbau u.a. bei Molkereiprodukten und bei Fleischspezialitäten. In anderen wichtigen Bereichen ist der Marktzutritt zur EU jedoch bereits weitgehend frei (z.B. Käse, Schokolade, Getränke, Kaffee).

 
Bei einer Einführung des Freihandels mit der EU ist zunächst ein Beschäftigungsabbau wahrscheinlich. Denn der Schrumpfungsprozess verläuft in der Regel schneller als die Erschliessung neuer Märkte, wobei diese Prozesse auch von der Geschwindigkeit der Öffnung beeinflusst werden. Langfristig ist damit zu rechnen, dass die Beschäftigungseffekte der exportorientierten Unternehmen die Stellenverluste teilweise oder im besten Fall vollständig kompensieren. Diese Veränderungen innerhalb der Branche gehen einher mit stärkeren Preiseffekten, welche die Konsumentinnen und Konsumenten begünstigen und den Einkaufstourismus mildern. Diese Auswirkungen wurden im Rahmen dieser Studie allerdings nicht untersucht.
 
Hier geht es zur Studie:

 

Bildlegende:

Die Nahrungsmittelindustrie hat ihre Exporte zwischen 2009 und 2016 um 22,6% erhöht, leicht stärker als die Schweizer Wirtschaft als Ganzes. Exportschlager sind Energydrinks und Kaffee, zwei Produkte, welche keine oder nur wenige inländische Rohstoffe beinhalten.

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