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Schweizer Unternehmen setzten auf Whistleblower um ihre Unternehmen zu schützen

21. November 2017

In Schweizer Unternehmen hat das Thema Whistleblowing und interne Meldesysteme an Bedeutung gewonnen. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur hat in Zusammenarbeit mit der Integrity Line GmbH die erste umfassende wissenschaftliche Studie zu Meldestellen in Schweizer Unternehmen erarbeitet und nun veröffentlicht.

Illegales und unethisches Verhalten ist auch in der Schweiz ein ernstzunehmendes Problem. Studien zeigen, dass Hinweise von Mitarbeitenden und dem Unternehmen nahestehenden Gruppen eine zentrale Rolle bei der Prävention und Bekämpfung von Compliance-Verstössen spielen. Unternehmen haben deshalb in den vergangenen Jahren damit begonnen Meldestellen einzurichten, damit Hinweisgebende eine klare und spezialisierte Ansprechstelle haben, die ihre Meldungen rasch und wirksam bearbeitet.

 
Meldestellen sind bei Grossunternehmen Standard
Die Resultate zeigen, dass in der Schweiz 11 Prozent aller Unternehmen eine Meldestelle implementiert haben. Dabei gibt es deutliche Unterschiede je nach Unternehmensgrösse: Während mit 70 Prozent die Mehrheit der Grossunternehmen mit mehr als 249 Mitarbeitenden über eine Meldestelle verfügt, ist dies mit 10 Prozent nur bei einer Minderheit der KMU der Fall. Darüber hinaus hat die Studie ergeben, dass sowohl auslandsaktive Unternehmen als auch erfolgreiche Unternehmen, die in den letzten zwei Jahren gewachsen sind und auch für die kommenden 12 Monate Wachstum erwarten, eher eine Meldestelle eingerichtet haben.
 
95 Prozent der Unternehmen, die über eine Meldestelle verfügen, haben im vergangenen Jahr keine einzige Meldung erhalten. Auch hier gibt es bedeutende Unterschiede zwischen Grossunternehmen und KMU: Während bei 70 Prozent der Grossunternehmen Meldungen eingegangen sind und zwar im Durchschnitt 54 Meldungen pro Unternehmen, haben nur vier Prozent der KMU Meldungen erhalten. Durchschnittlich geht bei KMU-Meldestellen ungefähr alle drei Jahre eine Meldung ein.

 
Meldestellen als wichtige Schutzeinrichtung
Jede zweite Meldung, die im vergangen Jahr bei einem Schweizer Unternehmen eingegangen ist, hat sich als relevant erwiesen. Meldestellen sind somit ein wirksames Instrument um illegales und unethisches Verhalten offenzulegen.

Professor Dr. Christian Hauser vom Schweizerischen Institut für Entrepreneurship (SIFE) der HTW Chur leitet das Forschungsprojekt und ergänzt «Unsere Daten zeigen, dass Schweizer Unternehmen mithilfe ihrer Meldestellen wichtige Hinweise auf Missstände erhalten und so frühzeitig Gegenmassnahmen ergreifen können.» Darüber hinaus stellt Professor Hauser fest: «Die regelmässig geäusserte Sorge, Meldestellen würden häufig missbräuchlich genutzt, um andere anzuschwärzen, lässt sich auf Basis unserer Daten klar entkräften.»

Missbräuchliche Meldungen, die lediglich opportunistischer Natur sind und dazu dienen, jemanden gezielt anzuschwärzen, sind ein seltenes Phänomen. Lediglich 3 Prozent der Meldungen werden als missbräuchlich eingestuft. Trotzdem muss die Möglichkeit, dass eine Meldung verleumderischer Natur sein könnte, ernstgenommen werden. Entgegen der regelmässig geäusserten Befürchtungen, hat die Möglichkeit Meldungen anonym abzugeben, keinen Einfluss auf die Anzahl missbräuchlicher Meldungen. Auch wenn anonyme Meldungen zulässig sind nimmt die Anzahl missbräuchlicher Meldungen nicht zu.


Unternehmenskultur wird zur Strategie
Unternehmen sollten den Zugang zur Meldestelle möglichst niederschwellig gestalten und für viele Anspruchsgruppen wie Mitarbeitende, Kunden, oder Lieferanten Meldemöglichkeiten einrichten. Die Auswertungen haben zudem ergeben, dass spezialisierte Meldekanäle, wie Hotline/Callcenter und webbasierte Meldesysteme, ebenfalls zu mehr Meldungen insgesamt sowie zu mehr relevanten Meldungen führen.

Dr. Zora Ledergerber, CEO und Gründerin der Integrity Line GmbH als Koorperationspartnerin der Studie, formuliert warum auch eine digitale, sichere Meldestelle alleine nicht den Erfolg ausmachen kann: «Meldestellen sollten nicht als isolierte Massnahme eingeführt, sondern als Teil eines umfassenden Compliance-Programms konzipiert werden. Zu einem wirksamen Compliance-Programm gehören unter anderem auch die klar kommunizierte Unterstützung durch das Topmanagement, ein Code of Conduct, sowie klare interne Zuständigkeiten.»


Über die Studie
Im Rahmen der Studie wurde eine Online-Befragung durchgeführt und die Antworten von 364 Schweizer Unternehmen statistisch ausgewertet. Diese Ergebnisse sind repräsentativ für alle Unternehmen in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz. Zudem wurden 26 Vertreterinnen und Vertreter von international tätigen Schweizer Unternehmen interviewt.

  


Kontaktperson Integrity Line GmbH:
Spenna Frank, Communication
Tel. +41 44 515 94 42
Mob. +41 76 722 21 18
communications@Integrityline.org

 
Integrity Line
Die Integrity Line GmbH ist ein Schweizer Unternehmen mit Sitz in Zürich und wurde 2009 von Dr. Zora Ledergerber gegründet. INTEGRITY Line ist spezialisiert auf das Einführen und Betreiben von sicheren Meldesystemen für Hinweise zu Verstössen und Fehlverhalten mit angeschlossenem Case Managementsystem. Die INTEGRITY Plattform kann branchenunabhängig flexibel für alle Bereiche und Organisationsgrössen eingesetzt werden. Die aktuellen Einsatzgebiete reichen von klassischen Compliance Meldekanälen kleiner, mittlerer und multinationaler Unternehmen, über Anti-Korruption Plattformen öffentlicher Einrichtungen bis zu Meldestellen für Sportverbänden und Stiftungen. Alle Systeme entsprechen den höchsten Sicherheitsstandards und erfüllen die Anforderungen der EU Datenschutzgrundverordnung (EU DSGVO) sowie weiterer Datenschutzvorgaben weltweit. Die INTEGRITY Plattform wird in ISO 27001 zertifizierten Hochsicherheitsrechenzentren gehostet und gewährleisten somit maximale Datensicherheit. Das Ziel des Unternehmens ist es, den individuellen Anforderungen der Kunden gerecht zu werden und neben den sicheren Meldekanälen eine umfassende Beratung zu allen Fragen rund um die Themen Hinweisgebersystem, Fallbearbeitung, Datenschutz und Compliance Kommunikation anzubieten. www.integrityline.org


Bildlegende:

  • Dr. Zora Ledergerber und Prof. Dr. Christian Hauser stellen den ersten Whistleblowing Report für die Schweiz vor.

Weitere Auskünfte

Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur

Die Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur ist eine innovative und unternehmerische Fachhochschule mit rund 1700 Studierenden. Sie bildet verantwortungsvolle Fach- und   Führungskräfte aus. Als regional verankerte Fachhochschule überzeugt die HTW Chur mit ihrer persönlichen Atmosphäre über die Kantons- und Landesgrenze hinaus. Mit ihrer angewandten Forschung trägt sie zu Innovationen, Wissen und Lösungen für die Gesellschaft bei. Die HTW Chur bietet Bachelor-, Master- und Weiterbildungsangebote in Architektur, Bauingenieurwesen, Digital Science, Management, Multimedia Production, Photonics, Technik sowie Tourismus an. Die HTW Chur betreibt in allen Disziplinen angewandte Forschung und Entwicklung, führt Beratungen durch und bietet Dienstleistungen an. Die institutionelle Akkreditierung nach HFKG und die Labels «Recognised for Excellence» mit vier Sternen im EFQM-Modell sowie ISO 9001 und ISO 29990 bilden eine wichtige Basis der ganzheitlichen Entwicklung der Fachhochschule. Die Fachhochschule aus Graubünden ist seit dem Jahr 2000 Teil der FHO Fachhochschule Ostschweiz. Bereits 1963 begann die Geschichte der HTW Chur mit der Gründung des Abendtechnikums Chur. htwchur.ch