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Wozu Qualität?
Wozu Qualität?

Wozu Qualität?

Qualität hat einen zentralen Stellenwert an der FH Graubünden – nicht nur in Bezug auf die Qualitätssicherung in der Lehre, sondern insbesondere, wenn es um Weiterentwicklungen in allen Bereichen der Hochschule geht.

Text: Bianka Lichtenberger / Bild: FH Graubünden

Bildungsqualität ist schwer zu fassen, sie ist ein vielgestaltiges Konstrukt, und dennoch beherrscht sie den Hochschuldiskurs wie kaum ein anderes Thema. Neu ist Bildungsqualität nicht, jedoch hat sich ihr Stellenwert innerhalb der vergangenen Jahre drastisch verändert. Über Qualität in der Lehre wird schon sehr lange gesprochen. Inzwischen ist die Entwicklung und Steuerung einer hohen Lehr- und Forschungsqualität nicht nur hochschulpolitisch zu einem zentralen Governance-Mechanismus, sondern auch hochschulintern zu einer wesentlichen Managementaufgabe avanciert.

Seit der institutionellen Erstakkreditierung der FH Graubünden im Jahr 2018 war es ein zentrales Bestreben, die oft sehr komplexen und noch nicht vernetzten Qualitätsaktivitäten stärker zu bündeln und zu koordinieren, um so zu mehr Übersichtlichkeit, Effizienz und Zielgerichtetheit zu gelangen. Der Aufbau eines hochschulweiten Evaluierungssystems für die Lehre, die Weiterbildung und die Forschung hat die Grundlage für eine systematische Erhebung von quantitativen und qualitativen Rückmeldungen durch Studierende und Peers in der Forschung gelegt. Erste Erfahrungen in Bezug auf die hochschulweite organisatorische Einbettung von Qualität wurden durch die Qualitätskonferenz der FH Graubünden – ein Gremium mit Qualitätsbeauftragten aus allen Hochschulbereichen – gesammelt. Eine auf allen Ebenen und in allen Funktionen sichtbare und effektive Umsetzung von kontinuierlichen Verbesserungen, die auf dem Regelkreis der Qualitätssicherung («Plan», «Do», «Check», «Act» / PDCA) basiert, wurde anerkennend von externen Gutachtenden, Partnern sowie unseren Anspruchsgruppen beobachtet.

Stetige Weiterentwicklung gefordert

Ein gutes und effektives Qualitätsmanagement betrifft aber nicht nur die Sicherung und Überprüfung der Qualität, sondern insbesondere auch die qualitative Weiterentwicklung angesichts dynamischer Veränderungen und neuer technischer und sozialer Herausforderungen sowohl im schweizerischen Bildungsmarkt als auch in den Bereichen Lehre, Lernen und Forschung. Dazu trägt beispielsweise auch die kontinuierliche Entwicklung der Massnahmen für innovative Lehre und Lernen bei, die ein wichtiger Bestandteil des strategischen Entwicklungsschwerpunkts «Innovatives Lebenslanges Lernen» ist. Qualitätsentwicklung umfasst hier auch künftige Formen und Angebote in Lehre und Lernen, zielgruppenorientierte Prozesse in der Hochschule oder organisatorische Strukturen, welche die Digitalisierung und den Umgang mit künstlicher Intelligenz berücksichtigen.

Veränderungen in den Bereichen Lehre und Forschung werden weitere drastische Entwicklungen hin zu einem effektiveren Evaluierungsverständnis und -konzept erfordern. In der Flut an Daten, die moderne Umfragetools in kürzester Zeit erzeugen, gilt es, die für eine zielgerichtete Hochschulentwicklung prioritären und wirksamen Informationen – insbesondere aus Sicht der Studierenden – zu bestimmen. Rein quantitative Merkmale bedeuten in Bildungs- und lebenslangen Lernprozessen nicht per se Qualität. Tiefe Drop-Out-Quoten, ein günstiges Lehrkräfte-Studierenden-Verhältnis oder ein hoher Publikations-Output sind, für sich betrachtet, noch keine Qualitäten. Der quantitative Output ist nicht mit wissenschaftlicher Leistung, Kreativität, Innovation und Qualität zu verwechseln. Genauso wie andere Organisationen in den Bereichen Wirtschaft und Gesellschaft ist auch eine Fachhochschule eine komplexe Organisation, die die Anforderungen an Agilität des Qualitätsmanagementsystems nicht durch simple Mess- und Beurteilungsindikatoren erzielen kann.

Weitere qualitative Entwicklungen werden in der kommenden Zeit deshalb verstärkt auch durch das neu eröffnete Research Office oder die laufenden Arbeiten für das neue Fachhochschulzentrum Graubünden angestossen und umgesetzt. Rückmeldungen von Peers, externen Gutachtenden, aber auch Studierenden und Hochschulangehörigen bilden die Grundlage für die nächsten Schritte in der Entwicklung von Qualität in den Kern- und Unterstützungsprozessen der FH Graubünden, damit der nächste Schritt in der Entwicklung der Qualitätskultur nach innen und aussen noch sichtbarer wird.

Beitrag von

Prof. Dr. Bianka Lichtenberger, Leitung Qualitätsmanagement und Hochschuldidaktik